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Gute Frage: Wie die Zukunft der Arbeit aussehen kann?!

Viel ist zu lesen in diesen Tagen über die Digitalisierung und wie sie unser zukünftiges Leben beeinflussen wird. Die Arbeit, und damit ist zumeist die Lohnarbeit gemeint, ist ein Teil dieses Lebens. Zumindest seit dem zweiten Weltkrieg haben wir uns in Deutschland gesamtgesellschaftlich ganz gut eingerichtet.

Doch jetzt wendet sich auf einmal das gesamte Blatt. Kaum jemand will es wahrhaben, was sich spätestens mit dem Finanz-Crash 2008 und seinen Folgen jetzt (aus heiterem Himmel) kumuliert abzeichnet: Globalisierung, Digitalisierung, Automatisierung, Web 2.0, Kapitalverteilung, Hartz IV, Klimakatastrophe, Migrationsbewegungen und die ganzen politischen Konsequenzen lassen ein Gemisch entstehen, dass hochexplosiv ist und es erforderlich macht, unser ganzes Leben neu zu sortieren. Und zwar komplett neu, was einerseits die als gesetzt erscheinenden Rahmenbedingungen anbelangt als auch die konkreten Details, die wir jetzt mühevoll im politischen Diskurs und Gezerre der verschiedenen Stakeholder aushandeln müssen.

In diesem Setting muss man auch die Zukunft der (Lohn-)Arbeit diskutieren.

  • Welchen Stellenwert hat Arbeit heute zum emanzipativen Aufbau von individuellem Kapital?
  • Welche Bedeutung hat privates Kapital in einer in Richtung Nullgrenzkosten-Ökonomie tendierenden Gesellschaft?
  • Welchen Beitrag leistet Lohnarbeit in einem ausser Rand und Band sich entfaltenden Wirtschaftssystem, das sämtliche Lebensgrundlagen mittelfristig zerstören wird aufgrund seiner inhärenten Wachstumsideologie?
  • Wie ordnen wir Arbeit ein, die nicht entlohnt wird, gesellschaftlich aber hochgradig bedeutend ist?
  • Wie kann ein Ausgleich statt finden zwischen Kapitalakkumulation einerseits, dem Beitrag der Lohnarbeit (auch von hochgradig bullshittigen Blöd-Jobs) zur weiteren Wertsteigerung des zerstörerischen Kapitals andererseits und der gesellschaftlich sinnvollen Arbeit, die Menschen Tag für Tag leisten, die aber nicht vom öffentlichen Wirtschaftssystem offiziell anerkannt und stattdessen als bürgerschaftliches Engagement formell ausgelobt wird.
Die grosse Frage unserer Zeit
Wie also sieht die Zukunft der Arbeit aus, wenn wir diese lokal wirkenden Fragestellungen in einem weltwirtschaftlichen Markt denken, der über globale Plattformen sich gerade vor unseren Augen neu entfaltet, quer zu bestehenden, nationalstaatlichen Grenzen – und euphorisch begrüsst von den meisten Menschen, weil ihre Bedürfnisse jetzt durch eine verbesserte User Experience besser bedient werden?!

Dabei entstehen gleich weitere Fragen:

  • Wo genau fällt hier die (Lohn-)Arbeit für diese transnationalen Systeme an?
  • Ist die Arbeit anderer Kulturen grundsätzlich schlechter zu bewerten als die der eigenen „Nation“?
  • Wie können Menschen heute weltweit um die verfügbaren Jobs konkurrieren?
  • Und wer maßt sich an, zu wissen, welche Kompetenz jemand sich aneignen sollte, um in 5 Jahren noch marktkonform arbeiten zu können – gegen Geld?

Fragen über Fragen – niemand, aber wirklich niemand kennt die erlösende, richtige Antwort.

In dem Impulsvortrag zur Zukunft der Arbeit im ländlichen Raum am 4. Dezember 2017 in Schwerin versuche ich für diese hier grob umrissenden, dramatischen Umbrüche zu sensibilisieren. Es geht darum, den Perspektivwechsel grundsätzlich zu verstehen, den es braucht, um von der Zukunft her zu denken statt von der Vergangenheit her. Europa muss aufwachen und sich mit seiner gesamten kollektiven Intelligenz mit einbringen, die Zukunft mitzugestalten!*

Die Karten werden jetzt neu gemischt – und dies weltweit. Der lokale Bezug ist dabei zweitrangig, weil man sich ja über das Netz mit anderen vielfältig verbinden kann. Sofern eine gute Netzwerk-Verbindung gegeben ist, stehen ländliche Regionen zumindest theoretisch direkt neben den Städten in ihrem Potenzial, die Talente der Welt zu bündeln und zur Wertschöpfung zu führen. Das gilt aber für alle Regionen dieser Erde gleichzeitig. Und das ist toll!

Viele Menschen begrüssen auch diesen Wandel. Manche, weil sie endlich damit eine Chance erhalten, sich selbst in der Wertschöpfungskette einzubringen. Andere, weil wir uns jetzt endlich vom „Mief von 1.000 Jahren“ entledigen können. (Okay, durch ein paar Täler vorab müssen wir wohl erst noch schreiten …)

Aber, soviel Optimismus spiegeln die Zahlen: Die Mehrheit der Menschen begrüsst den Wandel in Richtung Modernität, sofern bestimmte Rahmenbedingungen gegeben sind. Das kann man gut an der Wertewelten-Matrix aus dem Dialogprozess zum Arbeiten 4.0 ablesen. Diese fortschrittlichen, positiven Kräfte werden es sein, die im Kollektiv durch ihr Tun darüber entscheiden, wie genau sich die Zukunft der Arbeit, also unser Leben gestaltet. Denn wohin es uns zieht, ist immer stärker als das, was wir aus Angst vermeiden.

Und von diesen progressiven Kräften gibt es in den diversen Subkulturen genügende. Es zieht eben sehr viele in die Zukunft, auch weil sie sehen, dass das Alte nicht mehr lange funktioniert. Wenn diese Menschen, so unsere These, sich wechselseitig erkennen und verbinden, dann lässt sich relativ schnell fern von machtpolitischer Parteienlogik und Lobbyverbänden ein neues, verbindliches, sozio-kulturelles Rahmenmodell mit zivilgesellschaftlichem Druck aufbauen, das für eine sinnvolle (!) Zukunft der Arbeit und Lebensgestaltung wirbt und die Rahmenrichtlinien entsprechend absteckt.

Die grundlegende Infrastruktur für eine schnelle, kollaborative Zusammenarbeit bietet dabei das Netz bereits an. Die benötigten Werkzeuge existieren schon lange. Wir brauchen jetzt „nur noch“ den berühmten Ruck durch die sozialen Schichten.

Man muss sich also bald entscheiden, ob man selbst mitgestalten oder von anderen mit gestaltet werden will. Für die Menschen, die sich FÜR etwas einsetzen und die etwas bewegen wollen, für diese spreche ich bei dem Vortrag vom Ende des Normalarbeitsverhältnisses, vom Wunsch nach einer 28-Stunden-Woche, von mehr gewünschter Flexibilität auf allen Seiten – und der Notwendigkeit, gemeinsam nach einer Kompromißlösung für die nächste Zeit zu suchen, um die Menschen abzusichern, die bereits aus dem alten System heraus gefallen sind, sich aber mit ihrer Arbeit weiterhin einbringen möchten, auch wenn sie nicht mehr klassisch entlohnt wird.

Und nebenbei, es geht heute auch darum, möglichst schnell neue, innovative Lösungen für alte Probleme zu entwickeln. Das ist unser gemeinsamer Job heute. Nicht mehr, aber gewiss auch nicht weniger.

Jetzt: B(u)ildung 4.0

Okay, ich höre jetzt viele sagen: Aber was erwartet sie denn? Das können doch gar nicht alle. Stimmt, würde ich erwidern, die meisten Menschen haben das verlernt. Wir müssen diesen Menschen neue Leitplanken zur Verfügung stellen, damit sie diesen natürlichen Trieb wieder finden. Genau das bedeutet heute ein vernünftiges Bildungssystem. Rahmenbedingungen schaffen, die Menschen absichern, sich im Flow selbst weiterzuentwickeln.

Wir selbst erarbeiten dazu seit geraumer Zeit einige Bildungsangebote, um Menschen, die beginnen wollen, einen möglichen Anlaufpunkt zu liefern. Das geschieht bei uns zwangsläufig im kleinen Rahmen, weil wir uns quer finanzieren müssen. Aber wir setzen Stein auf Stein, bis es ein ordentliches Schwimmbecken wird, eine Wohlfühl-Oase mit Wellness und allem PiPaPo – und dann immer weiter…

Dabei gehen wir grundlegend anders vor als der traditionelle Bildungs-Mainstream: Wir versuchen nämlich immer vom User, von den Menschen aus zu denken. Wir erziehen sie nicht zu irgendetwas, nur weil wir denken, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Klar, wir sagen deutlich, was wir meinen, und diskutieren auch gerne. Aber wir manipulieren nicht. Wir führen die Menschen nicht zu einem von uns vorgegebenen Ziel. Das müssen sie schon selbst für sich finden.

Unsere Dienstleistung ist es eher, Umgebungen anzubieten, in denen sich Menschen spassvoll bewegen und damit für sich selbst neue Werkzeuge schaffen können, die sie denken, die ihnen weiter helfen könnten, entweder mehr von der Welt zu be-greifen oder diese aktiv mitzugestalten. Wir setzen sozusagen nur einen ersten Dominostein und legen immer weitere Steine aus.

Manche davon warten nur darauf, im Spiel zum Einsatz zu kommen; bei anderen wird man erst einmal selbst die Beschriftung anbringen müssen… in welcher Form auch immer – und damit sind wir beim Thema Visual Literacy, bei Social Literacy, bei digitaler Identität, bei kollaborativer Praxis, bei B(u)ildung 4.0 – und bei Arbeiten 4.0. In diesem Sinne: Wir melden uns jetzt Woche für Woche mit unseren Angeboten!

Stay tuned!

*Zur Info: Tagung am 4.12.2017 in Schwerin
Welche Zukunft hat die Arbeit?, fragt das Landesbüro Friedrich-Ebert-Stiftung. Weitere Infos und zur Anmeldung hier!

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