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Die dunkle Seite der digitalen Revolution – und wie Lernen uns helfen könnte

Ganz toller Artikel im MIT Sloan Management Review: Ein Interview von Gerald C. Kane mit John Hagel III zur dunklen Seite der digitalen Revolution.

Inhaltlich geht es darum, warum Unternehmen sich trotz aller Unkenrufe so langsam bewegen und was sie aus Sicht von Hagel & Co. grundsätzlich verstehen müssten.

Die „dunkle Seite“ im Titel bezieht sich darauf, dass Unternehmen zunehmend schwant, die Veränderungen aufgrund des Siegeszuges der digitalen Technologien seien grundlegender, als es ihnen angesichts ihrer derzeitigen „Cash Cows“ eigentlich lieb wäre …

Ich selbst schätze John Hagel seit Jahr(zehnt)en als einen der klügsten Köpfe unserer Zeit ein, was die Konsequenzen der Digitalisierung anbelangt. Deshalb habe ich seine aus meiner Sicht wichtigsten Antworten hier übersetzt.

Ich denke, es gibt eine Entwicklung, die digitalen Technologien nicht mehr nur als eine Gelegenheit wahrzunehmen oder eine Wahl, die man hat. Der anwachsende Leistungsdruck in unserer sich verändernden Geschäftswelt verwandelt dies vielmehr von einer Gelegenheit und Wahl in einen Imperativ. Je länger man wartet, desto mehr wird man marginalisiert werden.

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Die Ironie dabei ist, dass dieselbe digitale Technologie, die all diesen Druck erzeugt, gleichzeitig einen ganz anderen Ansatz zur Transformation ermöglicht, der (großen) Unternehmen wirklich helfen kann, im Laufe der Zeit zu ganz neuen Gebilden zu werden.

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Angesichts des anwachsenden Leistungsdrucks und dem beschleunigten Tempo des Wandels, die die digitalen Technologien mit sich bringen, ist es unsere Ansicht, dass das wirkmächtigste Lernen nicht mehr durch den Zugriff auf das Wissen anderer Leute geschieht. Es geschieht eher durch das Kreieren neuen Wissens durch die Praxis am Arbeitsplatz selbst, anstatt in einem Schulungsraum, indem Herausforderungen und Geschäftssituationen zu lösen sind, mit denen nie zuvor jemand konfrontiert wurde.

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Und das ist eine ganz andere Einstellung zum Lernen. Und digitale Technologien können in der Arbeitsumgebung sehr mächtig sein, denken wir. Aber sie sind bislang selten für diesen Zweck verwendet worden.

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Wir sehen eine Verschiebung von „skalierbarer Effizienz“ zu „skalierbarem Lernen“ als das zentrale institutionelle Modell, ermöglicht durch die digitale Technologien. Eine wesentliche Grundlage für skalierbares Lernen ist eine Kultur, wo es nicht nur in Ordnung ist, sondern es regelrecht erwartet wird, dass Sie es nicht wissen und dass Sie um Hilfe bitten werden. Das ist eine enorme Veränderung.

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Schließlich geht es um die Führungsfrage. Führung in der Zukunft, glaube ich, bedeutet tatsächlich die Fähigkeit, die richtigen Fragen herauszuarbeiten, die wesentlichsten Fragen, wo die Führungskraft tatsächlich sagt: „Ich habe zwar selbst keine Ahnung, aber das ist eine wirklich wichtige Frage. Und wenn wir es heraus finden könnten, würden wir erstaunliche Dinge tun.“ Das ist ein ganz anderes Modell von Führung.

- John Hagel III, Deloitte Center for the Edge

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