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B(u)ildung 4.0: Blockchain : Ketten bilden! (Kap. 3.6)

Blockchain – die nächste große Sache für die Bildung. Wie Bitcoin ermöglicht sie den Flüssigkeitsfluss und optimiert die Transparenz.

- The Economist, June 2016

Wer hätte vor drei Jahren gedacht, dass Blockchain “the next big thing for education” und noch viel mehr sein könnte (Watters 2016)?

Es ist die Dynamik, die bislang nur als Transaktionsmittel im Zahlungsverkehr in Form von Bitcoins ständig für Schlagzeilen sorgte.

Ethereum, eine weitere auf der Blockchain aufsetzende Software, geht einen Schritt weiter und ermöglicht die Authentifizierung von Dokumenten, Zertifikaten und Inhalten sowie immaterieller Tauschgeschäfte, Coupons, Vouchers, Überweisungen und Diplome. Sie ermöglicht sogenannte „Smart Contracts“.

Wie mit Bitcoin, der neuen digitalen Währung, erobert die Blockchain all jene Bereiche, in denen das Umfeld zu langsam, unsicher oder der globalen Beschleunigung und Verdichtung nicht gewachsen ist. Anfällige Währungen in China, Indien, Russland oder gar Europa nach dem Euro? Chaotische Bürokratien in Lateinamerika, Afrika, im mittleren Orient? Universitäten, die Titel, Auszeichnungen und Abschlüsse gegen Bares verkaufen?

Die digitale Revolution schafft so eine neue Stratosphäre und die entsprechenden Modi und Formen, um den Informations- und Wissensflow transparent und nachvollziehbar zu machen. Aufsetzend auf einem dezentralen Register, das sich chronologisch und linear ständig erweitert – sofern die Rechner-Kapazitäten mitmachen.

Erfahrungswerte gibt es noch wenige. Die gab es aber auch nicht zu Beginn der digitalen Revolution, des Internets und des Web 1.0 bis zum immer noch ausstehenden Web 3.0. Gerade darum ist die offene, kollaborative Zusammenarbeit und das Denken in ewigen Beta-Projekten im Prototyping (b9lab 2017) der einzige Weg, um schnell nutzerfreundliche Modelle zu entwickeln, besonders im Bildungswesen (BEN 2014).

Warum könnte ausgerechnet die Blockchain die bedarfsgerechte Lösung im offenen Wissenstransfer des 21. Jahrhunderts sein?

Die Blockchain wirkt als Disintermediation (Wegfall von bisherigen Mittlern) und ermöglicht somit die Peer-to-Peer-Verbindung, wie sie schon von den digitalen Pionieren in Form von Tauschbörsen wie Napster u.a. versucht wurde, sich aber jetzt in der Verkettung entwickelt. Blockchain und z.B. Etherum werden zukünftig dezentrale, kollaborative und virtuelle Organisationen überall dort möglich machen, wo immaterielle Inhalte nicht nur geteilt und erweitert werden, sondern auch alle Schritte nachvollziehbar sein sollen. Das kann kollaborative Software zwar auch, doch die ist plattformzentriert zugunsten eines (potenziell einflussnehmenden) Mittlers.

Die Blockchain-Dynamik revolutioniert somit die Reproduktion von Wissensinhalten, indem es alle Informationen speichert und permanent aktualisiert, Erweiterungen oder Korrekturen nachvollziehbar macht. Mit Blockchain lässt sich u.a. schnell und unbürokratisch die Echtheit eines Doktortitels, der Inhalt eines Ingenieurstudiums oder die einer Transaktion prüfen, was das aktuelle Prozedere des internationalen Dokumentenabgleichs vereinfacht.

Falsche Titel, falsche Identitäten, gefälschte Lebensläufe hätten weniger Chancen als bislang, nicht nur im innerdeutschen Datenverkehr, sondern vor allem im globalen Wissensverkehr.

Ausländischen Dozierenden, Studierenden, Unternehmen auf der Suche nach Fachkräften verkürzt das Blockchain-Prinzip Zeit und Wege. Wie lange braucht es heute, um den Doktortitel oder das Studium der Universität Mogadischu oder Mosul zu authentifizieren?

Doch auf der Blockchain-Dynamik ist neben Etherum auch die Software Reposium aufgebaut (Schiener 2015). Diese Plattform (DCO = Decentralized Collaborative Organisation) unterstützt die dezentrale Zusammenarbeit von Organisationen über Daten, Informations- und Wissensblöcke und bezeichnet sich als dezentrales Wikipedia. Sie ermöglicht so die Nachvollziehbarkeit, Transparenz und Authentizität der Informationen und Wissenscontainer.

Ihre dezentrale Wissensbank (DKB – Decentralized Knowledge Base) eignet sich für die Zusammenarbeit in Innovation-Clustern, an denen duale Ausbildungsträger, Weiterbildner*innen, Fachschulen, Unternehmen und Lernende und Mentoren beteiligt sind. Die Plattform zusammen mit der Blockchain-Dynamik wäre (eventuell) der passende Support für das Prototyping im kontinuierlichen Lernprozess.

Die Erfinder*innen und Entwickler*innen der digitalen Technologien hatten keine Routenplaner und Meilensteine. Weder Steve Jobs, Sebastian Thrun, Jeff Bezos, Elon Musk, Pierre Omidyar oder Larry Page hatten Vorlagen, an denen sie sich orientieren konnten, nur Vorstellungen und Visionen. Ihre Methode: Versuchen und schauen, wie es funktioniert, am besten im Open Innovation Prozess, damit möglichst viele die Software testen und verbessern können. Computational Thinking war sicher auch mit dabei.

Was brauchen Berufsschulen, Handwerkskammern, Ingenieur*innen als externe oder interne Berater*innen, Moderator*innen, Trainer*innen und Lernende im Azubi-Modus und später im lebenslangen Weiterlern-Modus?

Einen virtuellen gemeinsamen, aber geschützten Raum, wo sie wichtige Informationen und Prozesse ablegen, auffinden und bearbeiten können, allein oder in Zusammenarbeit, und so über ihr Tun eine gemeinsame Zeitlinie und Dokumentation anlegen.

Die Menschen, die Strukturen, die Technologien sind da. Der Rest ist eine Frage der Kompetenz, des technologischen Know-Hows und des Think differently just in time with the right people.

Wie funktioniert das eigentlich? Ungefähr so wie in der nachfolgenden Grafik. Aber am Ende noch v i e l besser…

Auszug aus unserem sich in der Endredaktion befindenden neuen Buches. Coming soon!

Das wird jetzt das Cover! Keine Diskussion mehr … 😉

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