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B(u)ildung 4.0: Mismatch (Kap. 2.5)

Die Wissensfabriken des 19. und 20. Jahrhunderts passen nicht mehr ins digitale Zeitalter und sind als System kontraproduktiv.

Die technologische Reproduzierbarkeit von Informationen und Wissen hat in knapp einem Jahrzehnt die Gutenberg-Galaxie verändert und weltweit die Medienwirtschaft neu konfiguriert. Das gleiche Phänomen vollzieht sich jetzt im Bildungssektor, denn da wird informell und formell Wissen im Massenbetrieb an Millionen Menschen über verschiedene Wege, Angebote und Känäle vermittelt, abgerufen und (re)produziert. Viele Unternehmen und Agenturen riechen hier das nächste grosse Geschäft. Niemand lässt es sich heute mehr nehmen, nicht auch als Bildungsplayer am Markt zu erscheinen (Wagner 2017).

Dabei ist der eigentliche EdTech-Markt rund um die StartUps nur ein erstes Indiz.

Viel interessanter für viele Unternehmen ist das Beratungsgeschäft, da hier in Zeiten von Arbeit 4.0 sehr viel in Bewegung kommt.

Hier profitiert die digitale Bildungsindustrie und ihre Satelliten vor allem von der digitalen Enthaltsamkeit der alten Bildungssysteme, die dieses Neuland nur unter dem Druck der Umstände betreten – und erst recht nicht über transformative Wege zur Unterstützung lebenslang lernender Menschen nachdenken. Sie müssten sich dann selbst größtenteils abschaffen. Da sind die Denkhürden noch hoch.

Das Beispiel der Bankfrau E. Mustermann im vorigen Kapitel zeigt somit das Entstehen einer Parallelwelt, wo von einer Minderheit kreativ denkender Wissensarbeiter*innen meist individuell und informell neue Lösungen eines Problems entwickelt werden, die aber bestenfalls in einer individuellen Schublade bleiben, weil auch auf dem Arbeitsmarkt des 21. Jahrhunderts jedeR für sich allein auf- und abtritt.

Für die Mehrheit ist der Job nur ein Mittel zum Geldverdienen (BMAS 2016). Auf die Lust auf Kreativität, innovatives Arbeiten oder gar lebenslanges Weiterlernen wurden sie nicht vorbereitet.

Und dennoch: Etwa die Hälfte von ihnen wird sich intensiv damit auseinandersetzen müssen. Sie alle geraten nach und nach in die Systemfallen langsamer und starrer Bildungsmodelle, die seit vier Jahrzehnten den generellen Umbruch nicht begleiten und einer technologischen Revolution, die für Nachzügler*innen und Spätlinge weder Zeit noch Geld hat – oder in die Netze des industriellen Bildungs-Businesses.

Besteht keine Hoffnung? Doch – für Menschen mit Netzkompetenz!

B(u)ildung 4.0 ist lokal und global.

In der zivilgesellschaftlichen Bildungs-Crowd öffnen sich auch in D-A-CH unbegrenzte Möglichkeiten, auch wenn die kritische Masse im Vergleich zu englischsprachigen Anbietern klein bleibt. Gerade deshalb ist die interaktive und interprofessionelle Kollaboration so wichtig. Sie kompensiert die notwendigen Skaleneffekte. Und ermöglicht so indirekt eine Anbindung auch an den englischsprachigen Diskurs.

Auszug aus unserem sich in der Endredaktion befindenden neuen Buches. Coming soon!

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