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B(u)ildung 4.0 – Open in 3D (Kap. 2.6)

Openness ist Teil des neuen Betriebssystems, ebenso wie “liquid statt starr” (Deutsche Telekom 2015) die Devise der neuen Arbeitsorganisation ist. B(u)ildung 4.0 muss demnach offen und liquid sein. Alles andere wäre nur die Reproduktion der alten Raster.

Weiterbildung ist ein offener Prozess. Sie braucht Formen, die den offenen Wissensaustausch zwischen den Bildungssystemen und ihren Nutzer*innen transparent und zugänglich macht und sich somit jeder Veränderung zeitnah anpassen kann.

Dafür braucht es systematische Reflektionen der Veränderungen: Was tut sich wo und warum? Und wie können wir diese Entwicklungen einordnen?

Hier braucht es geeignete Orte für den Austausch.

Die meisten KMU können sich keine Corporate University leisten. Sie sind im kleinen Rahmen auch nicht zu empfehlen.

Eine Lösung wären eventuell Kooperationen mit den lokalen Fachhochschulen und Universitäten, die offene, zeitgerechte und technologisch effiziente Strukturen bereitstellen.

Offene Gebilde mit Innovation-Hubs und einem niedrigschwelligen Open-Innnovation-Ökosystem sowie Coworking-Spaces als Werkstatt oder Büroräume, wo Azubis, Weiterlernende und temporäre Mitarbeiter*innen rund um die Uhr vernetzt lernen und arbeiten und alle technologischen Mittel (Hardware und Software) benutzen können (Deutsch 2013).

Diese Orte müssen allerdings nicht zwangsläufig an Hochschulen gebunden sein. Sie können auch graswurzelmäßig in Form offener Werkstätten oder Makerspaces entstehen, vielfältig vernetzt und angebunden an verschiedene Player (Schmidt u. a. 2016).

Bildungsgenossenschaften wären eine andere Lösung:

Auf gemeinnützigen und lokal vernetzten Plattformen könnten

  • lokale und überregionale KMU die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter*innen und die Ausbildung ihrer künftigen Fachkräfte gemeinsam und kostensparend organisieren;
  • die maroden Berufsschulen, die lokalen Fachhochschulen und überregionalen Hochschulen ihre Human- und Wissensressourcen bereitstellen und teilen;
  • die Weiterbildung, Mentoring, Coaching, die Realisierung von Prototypen (Makers), Aufbereitung von Wissensinhalten selbstorganisiert entwickelt werden (so könnte sich jedeR seine Genossenschaftsanteile durch aktive Beteiligung verdienen. Es gibt solche Ansätze schon stellenweise und nichts stände ihrer flächendeckenden Verbreitung entgegen (Weselmann 2015);
  • projektbezogene oder proaktive Weiterbildung (Beispiel E. Mustermann oben) könnte als Prototyp eingestellt werden.

Bildungsgenossenschaften wären die unbürokratische, schnelle und kostengünstige Lösung eines akuten Problems, bei der sich alle Beteiligten aktiv einbringen müssten. Als offene Strukturen könnten sie so das leidige Kooperationsverbot im institutionellen Wissensaustausch bei den Berufsschulen umgehen (Brink 2016).

Die dritte Lösung sind regionale Kompetenz-Cluster für die lebenslange Weiterbildung aller Erwerbstätigen mit einem niedrigschwelligen Open Innovation Ökosystem, damit KMU ihre Mitarbeiter*innen nicht nur gemeinsam ausbilden, sondern auch weiterbilden können und andere ihre Erfahrungen weiter verwerten und kollaborativ erweitern (Die Presse 2009).

Größere Unternehmen sollten es dabei den Konzernen nachmachen und ein eigenes Ökosystem für Weiterbildung und lebenslanges Lernen schaffen. Jenseits des institutionellen Hochschulverkehrs sind Corporate Universities in ihrer globalen Vernetzung agil und flexibel (Seufert 2016).

Warum sollten KMU in ihrer Vernetzung selbst aktiv werden?

Die Hochschulen und Fachschulen stehen hierzulande zwar noch nicht vor dem Kollaps, doch zeigen sie bereits erste Symptome einer schleichenden Dekadenz.

  • Vervielfältigung der Studiengänge, die das Organ und seine Funktion erhalten sollen (SPIEGEL 2015),
  • bürokratische Verkrebsung (BildungsSpiegel 2015),
  • Inhalte voller Altlasten (BWL, VWL, Informatik) (SPIEGEL 2015).

In der Folge führt dies zu folgenden Kollateralschäden:

  • Universitäten vermitteln zwar kulturell kostbares Nischenwissen, dessen Vernetzbarkeit jedoch nicht gefördert wird. Selbst als kulturelles Allgemeingut (in den Geisteswissenschaften) ist der Endpreis zu hoch und die Zweckmäßigkeit frivol. Opern, Theater und Museen hätten schon längst ganz andere Probleme wie Privatisierung und Schliessung, wenn sie nicht frühzeitig auf kreative Lösungen gesetzt hätten (Oper Mailand, Louvre Dubai, Museen, die immer mehr auf Event-Management setzen).
  • Die Arbeitgeber erkennen Abschlüsse immer weniger als Qualitätssiegel an (Dierig u. a. 2013). Google prescht voran, nach alternativen Merkmalen zu forschen (Bock 2016) – und viele StartUps folgen dieser Marschrichtung (Fried und Heinemeeier Hansson 2010).
  • Damit verlieren die Zertifikate ihren positionalen Stellenwert und ihren Marktwert.
  • Weiterbildung wird somit in der vernetzten Wissensgesellschaft zeitlich und inhaltlich immer wichtiger als die Ausbildungs- und Studienzeit.
  • Doch für eine offene Weiterbildung 4.0 fehlen derzeit praxisnahe Prototypen. Offene Kooperationen im Bildungsbereich bleiben weiterhin unter den gegebenen Rahmenbedingungen problematisch. KMU müssen derweil für sich selbst sorgen.

Auszug aus unserem sich in der Endredaktion befindenden neuen Buches. Coming soon!

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