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B(u)ildung 4.0: Web-Wissenschaft und Wissen (Kap. 3.7)

Zur Info
Mit diesem Kapitelchen endet die Vorveröffentlichung unseres E-Books zu B(u)ildung 4.0. Kapitel 4 bis 6 sollen der Buchveröffentlichung vorbehalten sein. Auch die ersten Kapitel sind jetzt redigiert und befinden sich im Export-Prozess, inklusive eines gigantischen Vorworts. Ab Mitte nächster Woche wird man das Büchlein vorbestellen können und ab 28. Dezember wird unser Werk ENDLICH kompakt zur Verfügung stehen. Langer Weg, aber nun ist es vollbracht. Vielen Dank für die Lektüre bis hierher!
Der Wissensgesellschaft geht es weniger um die Wissenschaften, sondern um die Entwicklung profitabler Technologien und Lösungen. Was man daraus macht, bestimmt ihren Wert. Das gleiche gilt auch künftig für das Wissen. Es wird verflüssigt, zur Materie, zur Ware, materiell und immateriell, verflüchtigt sich aber schnell.

- (Poole 2012)

Die vernetzte Wissensgesellschaft soll und muss künftig in der globalen Datenvernetzung neue Ressourcen und Ertragsquellen finden. Die digitalen Technologien unterstützen sie dabei: Internet, Software, Hardware, Plattformen, aus denen sich Netzwerke entwickeln und cyber-physikalische Systeme, die die Dinge, Menschen und die Datenbanken vernetzen. Jeder kann die sieben Stufen der vernetzten Wissensgesellschaft synchron und asynchron durchlaufen, je nach persönlicher Kompetenz und Zielsetzung:

Das Medium ist responsiv und passt sich den Benutzer*innen und deren Oberflächen an (Responsive.org 2015). Die Galaxie informeller Wissensanbieter*innen, in der Millionen Blogger*innen, Millionen Foren, in offenen und geschlossenen Communities, auf Plattformen wie Wikipedia, ehow, Quora kostenlos ihr Wissen teilen und erweitern, ist unendlich. Das Darknet ebenfalls. Doch wenn 90% der Benutzer die Sozialen Netzwerke mit Porno-Schrott, Fake News, Spam und Urlaubsfotos füllen, liegt das nicht an den Technologien, sondern an den Menschen, die sie benutzen. Wahrscheinlich optimieren nur 3% aller Zeitgenoss*innen die neuen Technologien als private und öffentliche Wissensbank, zum Lernen und nicht nur zum Lurken. Die anderen haben es in in ihrer Ausbildung ja nie anders gelernt. Bis heute nicht.

In der Wissensbank von Slideshare.net (ein LinkedIn-Satellit wie auch Lynda.com), auf Vimeo, YouTube, Scribd u.a. wird jeder mit etwas Rechercheerfahrung und interkulturellem Hintergrund in allen thematischen Bereichen fündig. Über 15 Millionen Tutorials in fast allen Sprachen auf allen Gebieten sind kostenfrei im Netz zugänglich. Mathematik, Fremdsprachen, Programmieren, Tischlern, Klöppeln, Business Finances, Urban Farming … Das Internet wird zum Schlaraffenland für Wissenshungrige und Netzdenker*innen. Lernende mit Freibeutergeist kommen da ganz gut zurecht (Bach 2010).

Doch die meisten verbringen sicher nicht deshalb 40 Stunden und mehr pro Woche im Internet, weil purer Wissenshunger und Lerneifer sie treibt (BestCom 2015).

Was soll’s?!

Die vernetzte Wissensgesellschaft hat schon unterschwellig ihr eigenes Auslese-Verfahren entwickelt. Bei einem globalen Angebot von etwa 600 Millionen Wissensarbeiter*innen mit akademischem Hintergrund trennt sie die Spreu vom Weizen und findet im globalen Netz auch die verborgenen Talente.

Die neue informelle Stratosphäre der vernetzten Wissensgesellschaft bietet überall digitale Fluchtwege für Menschen, die entweder keinen Zugang zu den lokalen Bildungseinrichtungen haben oder von ihnen nicht mehr das Wissen bekommen, das ihnen weiterhelfen kann. Not macht erfinderisch und fördert die Kreativität. Das können wir von afrikanischen Entrepreneuren lernen (Sotunde 2014).

Wenn Mark Zuckerberg intensiv die alternative Online-Bildung in Afrika fördert, ist es nicht nur Altruismus, sondern Pragmatismus. Unter den 1,5 Milliarden Einwohnern, die der afrikanische Kontinent bis 2030 zählen wird, gibt es bestimmt genug kreative Köpfe mit Unternehmergeist.

Erinnere dich: Du kannst alles lernen im Internet. Wenn Entwicklungsländer Internet-Zugang erlangen, wird es nicht die Art transformieren, wie sie arbeiten, spielen und lernen. Es wird es revolutionieren.

Dank der Pioniere wie Tim Berners-Lee hält die digitale Revolution in ihrer Entstehungs- und Beta-Phase eine wundersame Mischung bereit, die allen zur Verfügung steht, die etwas unternehmen wollen. Die Mischung setzt sich zusammen aus

  • wissenschaftlicher Neugier, Wissen und den entstehenden Möglichkeiten, dieses Wissen gemeinsam mit anderen voranzutreiben. Kollaboration und Transparenz bleibt deshalb eine wesentliche Eigenschaft im Umgang mit den digitalen Technologien;
  • technischem und wissenschaftlichem Positivismus: Die Technologie sollte dem Fortschritt der Menschheit dienen und Alternativen zum eindimensionalen Menschen der 1960/70er Jahre schaffen, der nur noch Informationen und Wissen konsumiert und am Ende geistig steril wird;
  • ökonomischem Realismus: die Pioniere wollten das neue Wissen mit seinen Möglichkeiten vor dem Kapitalismus und den Gesetzen der Marktwirtschaft schützen, indem die Technologien sofort allen frei zugänglich gemacht wurden, anstatt sie zuerst zu patentieren und dann zu vermarkten.

Die Mozilla Foundation, WordPress.org, Wikimedia und GitHub sind die letzten Reste aus dieser Pionierzeit der digitalen Gründerjahre. Das unterscheidet sie in ihrer Entstehungsphase von den anderen Technologien.

„Die Leute, die die Tools designten, die das Netz zum Laufen brauchten, hatten ihre eigenen Ideen für die Zukunft.“

Die Verbesserung des Allgemeinwissens der Zeitgenossen und Nachgeborenen oder gar der globale Wissenstransfer war für die Wissenschaftlerinnen, Ingenieure und Erfinderinnen der früheren technologischen Revolutionen nicht vorrangig. Sie hüteten eher ihren eigenen Wissensschatz so gut wie möglich bis zur Patentierung und Umsetzung, gingen gern auf Wissenklau bei anderen. Wichtig war, was schnell dabei rauskam. Nicolas Tesla bezahlte seine Offenheit und Transparenz mit Armut und geriet in Vergessenheit, während Thomas Edison sich seine industriellen Denkmäler baute.

Doch die Software-Entwickler*innen der Netzwerk-Gesellschaft brachten ihre eigene DNA mit ein, geboren aus den fundamental emanzipatorischen Werten der Alt-68er:

  • Open Source: Der Quellcode ist offen.
  • Open End: Nichts ist endgültig. Alles bleibt in Beta.
  • Open Innovation: Jeder weiß etwas und gemeinsam kommt Neues zustande.

Tim Berners-Lee, dem die vernetzte Wissensgesellschaft den offenen Zugang zum weltweiten Netz, die Erfindung von HTML, URLs und noch viel mehr verdankt, hat davon finanziell deutlich weniger profitiert als GAFA (Google, Apple, Facebook, Amazon). Doch ohne seine Leistung, die technologischen und mathematischen Konstrukte und die neuen Websprachen (nicht nur HTML) hätte das Wissen nicht so schnell die neue Dimension der Reproduzierbarkeit erreicht.

Der Hypertext in seinem Aufbau und seiner Dimensionen-Vielfalt war das „Neuland“ der globalen Wissens- und Lernstruktur.

Auszug aus unserem sich in der Endredaktion befindenden neuen Buches. Coming soon!

Das wird jetzt das Cover! Keine Diskussion mehr … 😉

Vielen Dank für eure Hilfe bei der Cover-Suche!!!

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