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B(u)ildung 4.0 – Wissen im Zeitalter technologischer Reproduzierbarkeit

Einleitung

Alle reden von der Zukunft der Arbeit, von Arbeit 4.0 und “Smarter Working”. Dabei geht es vielmehr um die Zukunft der Bildung. Sie soll und muss alle Menschen, egal wie alt, für das Leben BILDEN – und das meinte in der Industriegesellschaft auch für die Arbeit AUS-BILDEN.

Doch wie kann sie für Berufe ausbilden, die es noch gar nicht gibt und andere, die morgen durch Künstliche Intelligenz ersetzt werden? Wie vollbringt sie den zwingenden Quantensprung zur berufsbegleitenden Weiterbildung, die Millionen in die individuelle Pflicht, doch die Bildungsträger und den Staat aus der Verantwortung zieht? Wenn Weiterbildung zur Regel wird, dann ist Bildung nie aus.

Bisher waren Bildung und formeller Wissenstransfer rückwärtsgewandt: Wissen, Werte, die Theorien und Erfahrungen der Vergangenheit bildeten den Stoff für die Lernenden der Gegenwart, mit dem sie in Zukunft leben und arbeiten sollten. Der langsame Lauf der Zeit liess den meisten Menschen die Luft, nach einer erfolgreich absolvierten Ausbildung ein halbwegs rundes Arbeitsleben zu führen.

Doch die digitalen Technologien verändern alle Bereiche, die mit Informationen und Wissen materiellen oder immateriellen Mehrwert erzeugen können. Wir lesen es jeden Tag in den Zeitungen und vor allem in den sozialen Medien. Auf einmal ist alles beschleunigt.
Abgesehen vom Bildungssystem.

Die meisten Lehrprogramme können sich nicht dem flüssigen Wissensfluss anpassen, weil ihre Strukturen und Inhalte es nicht zulassen.

- Mike Feerick, Gründer der Alison Lernplattform

Die zeitnahe Umwertung von unstrukturierten Daten zu strukturiertem Wissen stellt die Bildung vor die gleichen Herausforderungen wie die Wissenschaft und die Industrie 4.0: Möglichst in Echtzeit mitdenken und mitbestimmen, wo der Ball aufschlagen wird.

Das Wissensmanagement bekommt plötzlich eine ganz neue Bandbreite, denn die Bildungs-Revolution steht im Raum und setzt alle unter Zeitdruck (Witte 2014). Ausgelöst durch die digitalen Technologien veränderte sie vier Jahrzehnte lang im Hintergrund und stillschweigend die vertrauten Muster des Wissenstransfers (Bunz 2013). Problematisch ist dabei nicht so sehr die viel zitierte digitale Kluft (Lobe 2016), sondern ein fataler Wissens-Schock auf zwei Ebenen:

  • Auf dem Arbeitsmarkt, wo die Beschäftigungsfähigkeit der Menschen vom innovativen und aktuellsten Wissen und der sich daraus ableitenden Kompetenz bestimmt wird.
  • In der Bildung, wo die Ausbildung zur lebenslangen Weiterbildung wird und plötzlich alle zu Lernenden auf Augenhöhe werden.

Die Aktualität des Wissens und seine ständige Aktualisierung verbindet beide Ebenen.

Doch die vernetzte Wissensgesellschaft polarisiert auch. Sie ist das Zeitalter der Extreme und schafft alles Mittlere ab: die Mittelschicht, das mittlere Management und 90% der Wissensarbeiter*innen, die einiges wissen, viel gelernt haben, doch gemessen an den neuen Paradigmen unproduktiv sind.

Ohne Kreativität, Innovationspotenziale, Erfindergeist sind sie nur noch Mittelmaß und ersetzbar. Mr. Watson und seine Epigonen machen ihre Arbeit künftig besser, billiger und effizienter.

Keine Gesetze, Sozialverträge, Aufmärsche oder Sitzstreiks und schon gar nicht die Versprechen der Politiker*innen ändern den unaufhaltsamen Vormarsch der digitalen Technologien, die Teilchenbeschleunigung auf dem Arbeitsmarkt und der Bildungssysteme.

Was erwartet die Menschen also?

Ein komplettes Wissens-Reset spätestens alle drei Jahre und permanente Updates, berufsbegleitend.

“Smarter Arbeiten” enthält nämlich eine neue binäre Zeitschiene, die jedoch erst ihren festen Platz in der Arbeits- und Lebenszeit finden muss. Die Wissensarbeiter*innen werden zu Dauerlernenden. Weiterbildung wird ihr zweites Standbein und “Freizeit” verwandelt sich zunehmend zu Lernzeit.

Hier wären die Hochschulen theoretisch die idealen Wissensabschnitts-Partnerinnen. Doch die ständige Begleitung der Millionen Wissensarbeiter*innen im lebenslangen Weiterbildungsgang ist bei den aktuellen Strukturen der öffentlichen Bildungsträger zwar denkbar, doch nicht machbar: Zu viel Geld, zu viel Bürokratie und kein unmittelbarer Zwang. Warum sollten sie ein System ändern, das bestens zu ihrem Vorteil funktioniert und Millionen Menschen beschäftigt?

Darum produzieren sie weiter Wissen nach dem eingespielten Fertigungsprinzip der Massenproduktion, auch in den sog. Elite-Einheiten und Nischen. Am Ende der Fertigungskette liegt dann meist eine Mogelpackung mit Wissensarbeiter*innen drin, die zwar (viel) mit dem Kopf arbeiten, doch selten Neues entwickeln.

Darum braucht es Alternativlösungen für jene, die mit dem technologisch reproduzierbaren Wissen einen Mehrwert erzeugen müssen: Die KMU und ihre Mitarbeiter*innen – und all diejenigen, die aus dem formalen Arbeitsmarkt bereits heraus gepurzelt sind. Sie stehen nämlich mitten im Umbruch und gleichzeitig an der Front und im Backend.

Arbeitsbegleitendes Lernen als zweites Rad der mobilen Arbeitswelt muss hier

  • die Produktivität der Einzelnen, der Unternehmen und die der Volkswirtschaft steigern;
  • den individuellen Erwerbstätigen in die Pflicht nehmen, sich aktiv einzubringen.

Wer nicht ständig weiterlernt, umlernt und im Wissensfluss bleibt, ist selber schuld, wenn er irgendwo stehen bleibt. Darauf läuft es letztlich zu, so brutal es auch immer klingen mag.

Die vernetzte Wissensgesellschaft ist ebenso pragmatisch wie ihre Entwickler*innen und der Kontext, in dem sie entstanden ist. Dort stellte man sich keine Fragen, stellte keine Anträge, schuf keine Kommissionen und Zuständigkeiten, sondern startete einfach durch, erfand, entwickelte und schuf gleichzeitig die neuen Produktionsmittel der Wissensarbeiter*innen.

Nur durch kontinuierliches Lernen allein und mit und von anderen bleiben die Millionen Wissensarbeiter*innen zukünftig fit und beschäftigungsfähig. Doch auch die “Vollbeschäftigung” bekommt in diesem ständigen Wandel ein neues Gesicht: Wissensarbeit ist leicht segmentierbar, wenn sie nicht kreativ und ganzheitlich ausgerichtet ist.

Temporäre Mitarbeit, Zeitarbeit, Minijobs, Ein-Mann Unternehmen, Clickworker, Crowdworker, Mechanical Turks und Plattform-Kapitalismus werden schon weltweit in vielen Varianten ausgetestet. Segmentierte Arbeitsverhältnisse befreien die Unternehmer*innen von den meisten Sozialverpflichtungen und digitale Technologien fordern ein anderes Verständnis von Wissen, Lernen, Bildung und deren Anwendung.

In rasendem Tempo wird neues Wissen erstellt, im Mashup oder durch Quervernetzungen (Kleber und Andersen 2016). Welchen Sinn machen Diplome, deren Inhalte keine ökonomische Verwertbarkeit mehr haben oder Studiengänge, die ein Wissen vermitteln, das teils überholt, teils von Maschinen viel besser verarbeitet wird, wie der ehemalige Google-Manager Laszlo Bock hinreichend in seinem Buch Work Rules darlegte (Bock 2016)?

Unsere Wissenswelt im ständigen Wandel überholt und überfordert das Betriebssystem der Bildungsträger. Das Ideal des universal gebildeten Menschen können sie heute ebenso wenig erfüllen wie das der Chancengleichheit durch Wissen, wenn sie die Menschen nicht in allen Wechselfällen des lebenslangen Bedarfs nach neuem Wissen begleiten.

Aus- und Weiterbilden fordert permanentes Prototyping mit direkter Einbindung der Nutzer*innen-Erfahrungen. Die Weiterbildungs-Anbieter können dieser Herausforderung nur gerecht werden, wenn sie ständig aus dem Stand heraus ins Neuland springen, wie es das Qualifizierungs-Business der Kreativindustrie auch macht. Die Voraussetzung dafür wäre die “Neugier auf das, was kommt”, vielfältige ko-kreative Szenarien und Entwicklungen, die einen reflektierten Umgang mit der Welt im 21. Jahrhundert ermöglichen.

Ob Kopf- oder körperliche Arbeit – die digitale Revolution bringt somit Industrie- und Wissensarbeiter*innen auf einen gemeinsamen Nenner. Vielleicht werden die Soziolog*innen im Nachhinein von der digitalen Gleichschaltung der vernetzten Wissensgesellschaft reden. Wichtig ist nicht mehr, was, wo und wieviel jeder lernt, sondern wie man sich vier oder fünf Jahrzehnte lang in einem intensiven Lern- und Arbeitsprozess organisiert, allein und mit anderen, in Verbindung mit den Maschinen und dem ständigen Wissensflow (Jarche 2013).

Wir leben im Zeitalter der B(u)ildung 4.0.

Auszug aus unserem sich in der Endredaktion befindenden neuen Buches. Coming soon!

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5 Comments

  1. martin lindner

    das ist ja irgendwie richtig. ich habe darum überlegt, was mich an dem ganzen tonfall stört. im kern ist es das: warum der überkandidelte darwinismus mit „kreativen wissensarbeitern“? warum nicht „weiterlernende normalmenschen“? warum der kult der „starken“ und die abwertung der „schwachen“?

    das ist nicht nur nicht human, es ist, glaube ich, auch falsch. die „starken und begabten“ werden bei weitem überschätzt. (das ist die libertäre, vulgärkapitalistische silicon valley-ideologie.) ihre stärke speist sich aus privilegien, eben nicht aus „unternehmer-gen plus intelligenzqotient“.

    umgekehrt sind die „schwachen“ eben nicht deshalb beharrend, mutlos, unflexibel, weil eben schwach sind, sondern weil es die gesellschaftlichen umstände so einrichten. und wenn man genau hinsieht, sind wir fast alle schwach. man muss uns erlauben, dass enzugestehen.

    das bedeutet, dass die lösung nicht der darwinistische appell an die einzelnen ist, sich gefälligst zusammenzureißen, um sich zu den 20% der sieger zu schlagen. (was für 90% der nicht-privilegierten sowieso nie funktionieren kann, aus strukturellen gründen.)

    ich verstehe ja die grimmige befriedigung, die man spürt, wenn es dem bildungssystem-wie-es-ist an den karagen gehen, aber wir dürfen das nicht neoliberal überdrehen. dieser dualismus ist unterkomplex und schädlich. die lösung ist nicht: „kein bildungssystem“, und alles den privaten einzelnen überlassen. sondern: ein ganz anderes verständnis von öffentlich organisierter bildung.

    1. Anja C. Wagner

      Wir betreiben ganz und gar keinen Kult des Einzelnen, sondern suchen nach kreativen Lösungen für KMU und Exkludierte, die hinten runter fallen bei allem Diskurs mit den L&D-Abteilungen des „Großkapitals“.

      Wir entwickeln bildungspolitische Leitplanken, um im Übergang Menschen, die aus dem Normal-System gefallen sind und KMU, die sich noch dagegen wehren, eine Hilfestellung zu geben. Was kann man tun? Als EinzelneR, als KMU, als Politik? Genau darum geht es uns: wie kann man von öffentlicher Seite Menschen unterstützen, sich an der Weltentwicklung zu beteiligen. Dass wir zu anderen Empfehlungen kommen, könnte ich mir vorstellen.

      Auch sehe ich keinen Appell an den Einzelnen, sich zusammenzureissen – das ist ja genau mein Reden. Es gibt gar nicht genügend qualifizierte Jobs …

      Aber woran wir uns nicht beteiligen, ist dieses oberflächliche Bildungsgequarke, das gängiger Weise gepflegt wird und von einer idealistischen Weltsicht geprägt ist, die weltfremd ist und den Menschen nicht in ihrer Emanzipation hilft.

  2. martin lindner

    weil du mich gefragt hast, wo ich hier den darwinismus herauslese:

    „Arbeitsbegleitendes Lernen als zweites Rad der mobilen Arbeitswelt muss hier
    die Produktivität der Einzelnen, der Unternehmen und die der Volkswirtschaft steigern;
    den individuellen Erwerbstätigen in die Pflicht nehmen, sich aktiv einzubringen.

    „Wenn du dich nicht immer wieder neu mit den neuen Technologien erfinden magst, kündige bitte. (AT&T)“

    „Wer nicht ständig weiterlernt, umlernt und im Wissensfluss bleibt, ist selber schuld, wenn er irgendwo stehen bleibt. Darauf läuft es letztlich zu, so brutal es auch immer klingen mag.“

    Wie vollbringt [die Bildung]* den zwingenden Quantensprung zur berufsbegleitenden Weiterbildung, die Millionen in die individuelle Pflicht, doch die Bildungsträger und den Staat aus der Verantwortung zieht?“

    „… ein fataler Wissens-Schock auf zwei Ebenen:
    Auf dem Arbeitsmarkt, wo die Beschäftigungsfähigkeit der Menschen vom innovativen und aktuellsten Wissen und der sich daraus ableitenden Kompetenz bestimmt wird. …

    Ohne Kreativität, Innovationspotenziale, Erfindergeist sind sie nur noch Mittelmaß und ersetzbar. Mr. Watson und seine Epigonen machen ihre Arbeit künftig besser, billiger und effizienter.“

    „Die Wissensarbeiter*innen werden zu Dauerlernenden. Weiterbildung wird ihr zweites Standbein und “Freizeit” verwandelt sich zunehmend zu Lernzeit.

    Nur durch kontinuierliches Lernen allein und mit und von anderen bleiben die Millionen Wissensarbeiter*innen zukünftig fit und beschäftigungsfähig.“

    * (Wer ist hier mit dem Akteur „die Bildung“ eigentlich gemeint?)

    Wohlgemerkt: Wir kennen uns ja lange, und ich bin beinahe sicher, dass das nicht so gemeint ist, wie es sich liest. Aber so könnte es auch ein Silicon Valley-Heini verkündet haben, der dann gleich seine risikokapitalfinanzierte künstlichintelligente Superduper-Bildungslösung anpreist. In meinen Ohren ist das grob vereinfachend und irreführend. Man muss sich nicht mit den alten Bildungsinstitutionen und den tatsächlich großteils nutzlosen, vor allem sich selbst interessierten Weiterbildungsanbieterm identifizieren, um dennoch daran festzuhalten, dass es eine Lösung der Bildungsfrage nur geben wird, wenn wir eine Lernkultur (und die ökonomischen Rahmenbedingungen) für die „schwachen Lerner“ schaffen.

    Ich glaube auch, dass der historische Rückblick hier diese falsche Zuspitzung mit verursacht. „Bildung“ war früher in weiten Teilen der Gesellschaft nicht weniger dynamisch. Vermutlich mit der signifikanten Ausnahme von all dem, was sich als „Bürokratie“ organisierte, also den vermittelnden Informationsarbeitern. Das ist übrigens ja der „Mittelbau“, der jetzt von digitalen Technologien obsolet gemacht wird. Aber außerhalb der Sachbearbeiter-Büros war Weiterlernen im 20. Jahrhundert wichtig, weil die Wirtschaft und Gesellschaft sehr dynamisch war. Man lernte aus der wirren Berufspraxis, die einen selbständig, die anderen quasi mitschwimmend in den sehr erfolgreichen, schnell expandierenden Großunternehmen, und inzwischen auch in den überaus smarten mittelgroßen Exportunternehmen.

    Dass „Bildung“ plötzlich zur dominanten Parole wird, hat außer dem digital-globalen Umbruch noch zwei weitere Gründe: Die Neoliberalen benutzen „Rohstoff Bildung! Jeder ist verantwortlich!“ als Ablenkungsmanöver, um emanzipatorische Politik zu verhindern. Und die Digitalisierung macht alle Informations- und Wissensprozesse, die bisher so vor sich hin wurstelten, transparent und designbar. Skalierbare Bildung außerhalb der alten Institutionen wird möglich. Das schließt die massive Gefahr mit ein, dass sie auch ökonomisiert wird. Es ist ja kein Zufall, dass Bildung (neben Gesundheit) als der Markt der Zukunft gehandelt wird. Der renditesuchende Kapitalismus muss immer neue brachliegende Felder erschließen und quasi mit Fracking zu einer Profitquelle machen. Das treibt die Valley-Entrepreneure an.

    Wir brauchen dringend eine Position und eine Kritik, die sich da nicht vereinnahmen lässt. Die tatsächlich die Interessen der einzelnen, sich durchschlagenden, sich keineswegs als superkreative SuperlernerInnen fühlenden Menschen ins Zentrum rückt: human-centered design, sozusagen. Und die dabei fortschrittsbejahend und optimistisch bleibt. Diese Position ist bisher kaum zu sehen. Wir sollten das alle gemeinsam ändern.

    1. Anja C. Wagner

      Aber, Martin, du wirst doch wohl sehen, dass es sich um eine Status Quo-Beschreibung handelt und nicht um unsere Zielvorstellung?! Genau das ist ja das Problem, dass wir an einem Punkt in der kapitalistischen Mainstream-Logik angelangt sind, wo es scheinbar nur noch diesen Weg zu geben scheint. Und sich alle auf das einzelne Individuum stürzen, wie es sich selbst zum besseren Funktionsträger weiter qualifiziert. (Oder auf die Systemerhaltung der eigenen Institution.) Genau hier versuchen wir ja mitzudenken und alternative Wege vorzuschlagen.

      Du könntest z.B. auch weiter lesen:

      „Darum braucht es Alternativlösungen für jene, die mit dem technologisch reproduzierbaren Wissen einen Mehrwert erzeugen müssen: Die KMU und ihre Mitarbeiter*innen – und all diejenigen, die aus dem formalen Arbeitsmarkt bereits heraus gepurzelt sind. Sie stehen nämlich mitten im Umbruch und gleichzeitig an der Front und im Backend.“

      Ja, wir versuchen hier sehr pragmatische bildungspolitische Lösungen im bestehenden System vorzuschlagen, die aber über hilflose pädagogische Maßnahmen hinausgehen. Wir werden damit nicht den Kapitalismus abschaffen, wohl aber etwas bessere Rahmenbedingungen für gestaltungswillige Menschen schaffen (können – mit Glück). Im Interesse einer besseren, nachhaltigeren Welt.

      Um diejenigen, die zu schwach sind, sich überhaupt auf Gestaltung einstellen zu können, muss man sich im Nachgang kümmern. Zunächst gilt es, vielfältige Voraussetzungen zu schaffen, DASS endlich die Menschen sich einbringen können, die Kraft und Muße haben – auch wenn sie kein Kapital mit einbringen, aber WOLLEN. Wir brauchen mehr kollektive Intelligenz innerhalb der Strukturen – die gibt es nämlich verteilt überall sitzend. Diese muss man heben.

      Und nein, es braucht nicht DIE EINE Kritik und Lösung, sondern im ersten Schritt würden mir verschiedene, vielfältige Lösungspfade durchaus gefallen, da wir dann einmal inhaltlich diskutieren könnten, statt uns wechselseitig DIE Lösung zu verkaufen.

  3. martin lindner

    „Lasst 1000 Blumen blühen“ ist immer gut. Ich finde auch: Diskussionen unter gleich oder ähnlich Gesinnten sind immer gut. Ich hätte das nicht geschrieben, wenn es mir diese zumindest rhetorische Tendenz nicht schon öfter aufgefallen wäre. Daran, dass wir auf längere Sicht dasselbe wollen, habe ich nie gezweifelt.

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