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Wie aus entflammter Neugier ein Leuchtfeuer wird

Am 19. April 2017 startet der zweiwöchige MOOC Leuchtfeuer 4.0. Als Kartograf*innen des Neulands machen wir uns dann gemeinsam auf den Weg, um das Land und die Orte des neuen Arbeitens und Lernens zu finden und zu vermessen.

Geleitet werden wir dabei von dem Leuchtfeuer 4.0, dem leuchtenden Feuer der Neugier. Dieses Feuer entzünden wir mit der Community, die wir mit diesem MOOC aufbauen wollen. Sei dabei!

Karthografie

Das Dokumentieren von Entdeckungen ist ein urmenschliches Bedürfnis. Dazu gehört das Kartenzeichnen oder die Kartografie. Erste Karten finden sich auf Höhlenwänden um ca. 6400 v. Chr. Sie sind also ungefähr 8000 Jahre alt.

Bis zum 16. Jahrhundert fanden sich auf Karten auch Mysterien und Vermutungen. Dann dokumentierte man zunehmend geografische Gegebenheiten und Entdeckungen. Zum Beispiel von Amerika.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war das Kartenzeichnen ein Nebenprodukt. Es waren eher Naturforscher*innen und Entdecker*innen, die durch ihre Forscherleidenschaft zu Kartenautor*innen (Kartenzeichner*innen) wurden.

Gemein hatten sie, dass sie Neuland betraten und ihre Wege und Entdeckungen für andere dokumentierten. Getrieben hat sie dabei die Neugier.

Ihr Anliegen war und ist dabei, neue und komplexe Sachverhalte und Umstände maßstabsgetreu zu verkleinern, abzubilden und zu beschreiben und damit nachvollziehbar für diejenigen zu machen, die nicht persönlich dabei waren.

Manchmal zwang die Entdeckung des Neuen, funktionierende Erklärungen für das Bekannte zu verwerfen und das Altbewährte neu zu denken. Das hat den Entdecker*innen und Kartograf*innen nicht immer nur Freundschaften eingebracht.

Aufbruchstimmung

Es erfordert einiges, sich als Kartograf*in auf den Weg zu machen ins Ungewisse…

Es braucht dazu

  • Mut und Neugier als Antrieb
  • einen gut spürbaren inneren Nordstern, dessen Magnetismus über die Mauern und Ablenkungsmanöver der Bewahrer*innen hinweg hilft die Richtung beizubehalten 
  • viel Humor, um die Hürden zu meistern
  • verlässliche Gefährt*innen, in denen die Neugier genauso brennt wie in uns
  • Hilfsmittel, die helfen, uns zu orientieren und zu dokumentieren, was wir entdecken
  • den Glauben, dass das Neue eine Bereicherung sein wird

Im Leuchtfeuer 4.0 MOOC machen wir uns auf den Weg in die ungewisse Zukunft des Lernens und des Arbeitens.

Wobei wir es jetzt schon nicht mehr “Lernen” nennen wollen.

Lernen ist verbunden mit dem Gefühl, in einem geschlossenen Raum zu sitzen und für etwas zu lernen, von dem wir nicht wissen, wann und wo es uns begegnet (außer vielleicht in der nächsten Prüfung).  Lernen erzeugt das Bild von vielen Unwissenden, die vor einem Wissenden sitzen, der ihnen häppchenweise das vorbereitete Wissen vermittelt.

Wir Kartograf*innen des Lernens machen uns dagegen über die See der Ungewissheiten auf ins Land des Aneignens, um neue Kompetenz zu erlangen. Wir kennen weder den Weg noch das Ziel. Noch nicht. Aber wir können bereits erste neue Technologien, neue Berufe und neue Räume schemenhaft erkennen. Vielleicht wird das, was wir mitbringen, nützlich sein für andere, die sich nach uns auf den Weg machen, und nützlich für unsere Arbeit im Basislager.

Das Basislager

Wir, Anja, Joachim und ich, sind die Gastgeber*innen und bereiten das Basislager (auf dem Berg der Neugier) für euch vor.

Wichtige Daten
Das Basislager findet ihr unter dem Dach der Fachhochschule Lübeck unter der Webadresse https://mooin.oncampus.de/feuer40. Dort könnt auch ihr eure Zelte aufschlagen für die Dauer des MOOCs vom 19. April bis zum 3. Mai. Ihr müsst euch dazu nur anmelden.

Unterstützt werden wir von einem Team von Werkzeug-Macher*innen, eine Community, die sich auf der kollaborativen Plattform Slack rund um das Thema Arbeiten & Bildung 4.0 austauscht, und die begonnen hat, die Ausrüstung für unsere Expedition kollaborativ zusammenzustellen.

Gemeinsam mit diesen Werkzeug-Macher*innen und allen Zelt-Bewohner*innen werden wir dann in diesen zwei MOOC-Wochen die Expedition vorbereiten.

Wir haben dafür 6 Themenkapitel vorbereitet und werden euch zum einen die Ergebnisse unserer vorangegangenen Forschungsreisen vorstellen. Zum anderen möchten wir mit euch zu ausgewählten Themen gemeinsam diskutieren und weiterspinnen. Dazu haben wir uns weitere Expert*innen als Weggefährt*innen an Bord geholt.

Alle paar Tage wechseln wir dann den Schwerpunkt, um verschiedene Perspektiven einzunehmen. Wir hoffen dann auch auf eure Beiträge und Entdeckungen, so dass wir möglichst viele Sichtweisen einfangen können.

In der zentralen Feuer-Jurte (Live-Video zur Einstimmung auf ein neues Kapitel) treffen wir uns alle zwei bis drei Tage, um die Ausrüstung und die Weggefährt*innen kennenzulernen. In dieser Zeit bilden sich die Expeditionsteams.

Die Expedition

Wenn wir am 3. Mai das Basislager verlassen, werden sich einige Expeditionsteams gebildet haben und sich von dort aus auf den Weg machen, neue Orte zu finden (und zu schaffen).

Ob dies das Entstehen eines eigenen Co-Working- oder Maker-Spaces, eines Fablabs oder etwas noch Unbenanntes ist, bleibt offen. Vielleicht existieren auch schon erste Anker in den Regionen, die es “nur” auszubauen gilt.

In einer Art Logbuch oder Landkarte werden die Expeditionsteams ihre Forschungsreise dokumentieren und kartografieren – also die neuen Orte des Arbeitens und Lernens und den Weg dorthin beschreiben.

Ende 2017 wollen wir das Basislager wieder aufbauen und alle dorthin rufen, um zu erfahren, was die Expeditionsteams erlebt haben und welche Erkenntnisse sie gewonnen haben.

Ankommen im Neuland

Wer von euch hofft in diesem Absatz nun doch – entgegen der Ankündigung – klare Zielkoordinaten genannt zu bekommen?

Erwischt! Es gibt wirklich kein festes Ziel. Zumindest kein vordefiniertes.

Wir können euch keine Koordinaten und keine Wegbeschreibung mitgeben. Wir können einander das Rüstzeug klarmachen, gegenseitig bestärken und Lust machen, gemeinsam loszugehen.

Wir sind Forscher*innen und Kartograf*innen für neue Orte des Arbeitens und Lernens.

Wir bringen unsere Lust am Neuen und die Aufbruchstimmung mit ein.

Wo wir ankommen und ob wir dort lange bleiben wollen oder können, das wissen wir zum Beginn dieser Expedition noch nicht.

Habt Ihr Lust dabei zu sein beim Vermessen und Kartografieren des Neulands?! Wir freuen uns auf möglichst viele Neugierige, die mit uns über die See der Ungewissheit reisen.

Kommt ins Basislager!

Der MOOC beginnt am 19. April 2017.
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11 Comments

  1. Christoph Schmitt

    Ich finde das einen spannenden Ansatzpunkt: bei den Werkzeugen für eine Reise ins Ungewisse. Meine Vermutung ist einfach, dass die meisten Reisenden mit einer eher traditionellen Einstellung unterwegs sein werden: mehr als Touristen, die sich unbekannte Landschaften zeigen lassen, die auf „geführte Touren“ vertrauen, statt sich auf eigene Verantwortung auf Neuland zu begeben…

    1. Nina Oberlaender

      Müssen wir uns dann nicht fragen, wie auch die ‚Tourist*innen‘ für die Gemeinschaft und die Weiterentwicklung nützlich sein könnten? Ich bin zum Beispiel auch der Überzeugung, dass Lurker sehr wichtig für einen MOOC sein können. Wie auch das stille Publikum dem Theaterstück erst den Magnetismus verleihen kann. Nicht alle können Entdecker*innen sein. Es braucht genauso die Bewahrer*innen und eben auch die ‚Tourist*innen‘.

  2. Christoph Köck

    Danke, liebe Feuer-Gastgeber für diesen vielversprechenden Aufschlag!
    In der Tat meint ja Reisen und Tourismus nicht unbedingt dasgleiche.
    Reisen ist nicht wie Touristenurlaub, denn Reisen bedeutet im ursprünglichen Sinn (die Herkunft des Verbs datiert aus dem 9. Jahrhundert) “sich aufmachen, sich erheben, aufstehen”. Also unterwegs sein, und den Weg als Ziel sehen. Reisen ist daher mit einem gewissen Aufwand verbunden: sich aufmachen bedeutet packen, fahren, suchen, ankommen, einchecken, finden auspacken, einpacken, auschecken, fahren, suchen, finden usw.…
    Als Tourist ist man auch unterwegs, allerdings – wie Christoph Schmitt richtig schreibt, „geführt“ und versichert.
    Und natürlich – das hat schon Hans Magnus Enzensberger in seiner frühen Theorie des Tourismus geschrieben (1958), nutzen wir die „Fremdheit“ der Reise (und des touristischen Urlaubs) für einen Blick über die eigenen Grenzen, um sich so das Selbst, die eigene Kultur zu bestätigen. Der Tourist hat den Rückfahrschein immer schon in seiner Tasche, er weiß, wann und wo er ankommt, was er zu Essen bekommt, wie und wo er schläft, wann er wieder zurückfährt.
    Nun glaube ich, dass auch die großen Abenteurer unserer Zeit nicht ganz unversichert durch die Lande ziehen und selbstversändlich von Wegefährten und Wegweisern profitieren.
    Wie wäre ansonsten der Mount Everest erstmalig bestiegen worden, hätte es nicht die Routen der Vorgänger gegeben? Also ich denke, es braucht die Reisenden im klassischen Sinne, also die Aufbruchstimmungsmacher/innen, dann die (zaghaften) Nachahmer/Mitmacher/innen und schließlich auch das Publikum.
    Was ich mir auch von diesem Leuchtfeuer 4.0 wünsche – ausser vielen neuen Entdeckungen? Das sich wechselseitig neugierig machen und den Aufbruch zu neuen Wegen finden. Cool wäre es natürlich, wenn sich die unterschiedlichen Pfadfinder/innen zwischendurch ab und an treffen würden um sich auszutauschen (und daruafhin vielleicht andere neue Wege eingschlagen werden als erhofft). Und wenn die Reisenden unterwegs auf das Publikum treffen, wäre es spannend, den ein oder anderen vom Mitreisen zu überzeugen.

  3. Constanze Grüger

    Ich finde das absolut großartig und zeugt von sehr innovativem Geist und Mut! Super!
    Leider bin ich selbst noch nicht so weit für diese Reise… Ich mache mich jetzt gerade auf den Weg, die ganzen Tools zu entdecken und in einem Mooc kennenzulernen.
    Mein persönlicher Einstieg in die digitale Bildungswelt.
    Danach will ich gerne meinen Rucksack packen und zu einem zukünftigen Camp dazukommen.

    Euch jetzt schon eine schöne Entdeckungsreise!

    1. Nina Oberlaender

      Das Schöne an dieser Art Reisen ist ja auch, dass sie nicht absolut synchron stattfinden müssen. Die MOOC Materialien werden auch nach dem 3. Mai online und für alle zugänglich sein. Die Community auch. Aber sicher könnten auch deine Fragen jetzt schon hilfreich für alle anderen sein.

  4. […] ist aber Leuchtfeuer 4.0 eine ganz besondere Expedition, denn wir wollen Neuland betreten (mehr Informationen zum Projekt). Dieses Neuland ist noch nicht kartographiert und befindet sich irgendwo zwischen Digitalien und […]

  5. MichaelHans Schmitt

    Als Mitreisender bin ich neugierig was mir andere Reisende über ihren Weg berichten. Gerne bin ich bereit schon gebildete Weg zu gehen und dabei Neues für mich zu entdecken. Diese Neugier macht das Leben im Alter erfrischend. Nicht immer ist der Weg das Ziel, sondern das Ziel macht den Weg aus. Für mich heisst das Bildung im Alter zu erfahren und den eigenen geist rege zu halten.

    1. Nina Oberlaender

      Neugier und Humor sind die Kern-Kompetenzen der Zukunft 🙂

  6. Yvonne Wetsch

    Also, ich begebe mich jetzt ganz spontan auf diese Reise und schaue mal, wo ich landen werde. Ich bin schon sehr gespannt, zähle ich mich doch noch zu den Neulingen und Entdeckerinnen – aber das Feuer brennt bereits.
    Für meine neue Position als Bildungsmanagerin werde ich für eine ländliche Region ein Kompetenzzentrum aufbauen, um die Region und Unternehmen für die Zukunft zu begeistern. Da kommt mir Euer Selbst-Lernangebot und der nachfolgende Austauch undeine mögliche regionale Community gerade zur rechten Zeit 🙂
    Ich freue mich auf neue Wege und neues Lernen!!!

    1. Nina Oberlaender

      Das hört sich spannend an. Würdest du in den mooin Foren über den Stand des Aufbaus berichten? Schön wenn wir das Werden eines neuen Lernortes begleiten können. Gerade darum geht es in diesem Projekt.

  7. […] das Element des storytellings (erklärt im Artikel von Nina Oberländer  „Wie aus entflammter Neugier ein Leuchtfeuer wird“ und „7 Werkzeuge für das Erkunden neuer Lernorte„) greift auch das Projekt […]

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