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Maker Faire Berlin – gelebte DIY-Bildung 4.0

Am 10. und 11. Juni fand in der STATION Berlin zum dritten Mal die Maker Faire in Berlin statt. Ein Festival für Inspiration, Kreativität und Innovation. Ein Treffen, bei dem sich Maker austauschen und ihre Do-it-yourself-Projekte zeigen. Kreative Lösungen, um nachhaltiger zu leben, Jugendlichen den Einstieg in das Programmieren zu erleichtern oder Menschen ohne Elektrizität zu zeigen wie sie alternative Lichtquellen bauen. Für die 15.200 Besucher*innen bot die Maker Faire viele frische Ideen und spannende Gespräche mit Makern. Wer wollte, durfte vor Ort experimentieren, basteln, drucken, löten oder Computer-Anwendungen ausprobieren, ganz nach dem Motto: Mitmachen erwünscht!

Start in die Maker Faire mit Robotik-Gruß

Die Ouvertüre zu der Maker Faire Berlin 2017 war gigantisch! Eine riesige, über 8 Meter hohe Hand streckte sich unter lautstarkem Getöse zur Begrüßung der Gäste in den Himmel. “The Hand of Man”, eine interaktive Skulptur des amerikanischen Robotik-Künstlers Christian Ristow. Eine hydraulisch betriebene Roboterhand mit Unterarm, die allerlei Gesten ausführen kann.

Die Art der Geste bestimmt der Mensch, der die Roboterhand bedient. Bei einem Mitmach-Festival wie der Maker Faire, durften die Besucher*innen die Hand steuern. Mittels einer Art Handschuh, in den die eigene Hand gesteckt wird, lassen sich der Unterarm sowie die Finger der Hand bewegen.

Viele Gäste bewegten die Stahlfinger unter lautem Getöse in die V-Position, um das Peace-Zeichen zu formen. Neben Gesten kann die Hand, die Ristow bereits 2008 auf dem Burning Man Festival in Kalifornien präsentierte, außerdem Autos zusammenfalten. Praktiziert wurde das auf der Maker Faire nicht. Immerhin durfte, wer mochte, drohend den Zeigefinger heben. Das aus der Rocker-Szene bekannte Hörner-Symbol zählte ebenfalls zu einer der beliebten Gesten.

Maker Faire Berlin 2017

In den Hallen der STATION Berlin haben rund 900 Maker aus verschiedenen Ländern an 200 Ständen ihre Ideen und Kreationen gezeigt. Zu den Besucher*innen einer Maker Faire zählen Menschen jeden Alters, die neugierig sind und sich für Handwerk, Technik und Technologie interessieren. Vor allem Kinder begeistern sich über löten, Roboter basteln und hacken für Technik und Elektronik, so Philip Steffan, Community-Manager der Maker Faire.

Maker, das sind Menschen, die gerne selber machen, basteln und sticken und mit kreativen Einfällen, allerlei Hilfsmitteln und viel Geschick Probleme lösen oder etwas Neues kreieren.

Eggersglüß: Gehackte Bilder & Gobelins

Stickbild-Hack

Einer von ihnen, Philipp Eggersglüß, hat auf der Maker Faire Gehackte Gobelins und Bilder vorgestellt. In seiner Jugend hat er im Handarbeitsunterricht Sticken gelernt. Jetzt “hängt er an der Nadel” und lässt mit seinem Können alte gestickte Bilder und Gobelins,  die er auf Flohmärkten und in Second-Hand-Läden findet, in neuem Glanz erscheinen. Er “hackt” die Stickbilder, indem er aus den Sozialen Medien bekannte Symbole wie Likes hinein stickt oder aus dem Game-Bereich bekannte Charaktere wie beispielsweise Sub-Zero.

Paula Pongratz hat den Besucher*innen auf der Maker Faire die Möglichkeit geboten, selber künstlerisch aktiv zu werden. In dem Workshop Postapokalyptischer Schmuck wurden Elektroschrott und andere Reste recycelt, um daraus einzigartigen Schmuck zu kreieren, von Ketten über Armbänder bis hin zu Ringen.

Kompostieren mit Würmern

Nährstoffkreisläufe sind das Thema von hubus. Organische Abfälle, wie Gemüse- oder Obst-Reste, die im Haushalt anfallen, werden mit Kompostwürmern recycelt. Organische Stoffe verrotten zu lassen, um Kompost zu produzieren ist altbekannt. Neu ist die Idee von hubus, Kompostierung in den eigenen vier Wänden durchzuführen. Mit einem formschönen Holzgestell, kann das jede*r in der eigenen Küche machen und mit dem entstandenen Kompost die Blumen düngen. “Riecht das denn nicht?” war vermutlich eine der am häufigsten gestellten Fragen an Julia von hubus. “Nein, tut es nicht”, war die Antwort. Die Würmer bleiben übrigens brav im hubus-Kompostgestell.

MudbrainsTV Skulptur

Ein weiterer wichtiger Werkstoff aus dem Maker-Ideen zur Realität werden, ist Papier bzw. Karton. MudbrainsTV zeigte wie aus Karton Skulpturen entstehen und Designer Dieter Beck erstellt perfekt nachgebaute Filmrequisiten aus Pappe. Dass man aus Pappresten und Altpapier einen Rock fertigen kann, bewies das Kulturlabor Trial und Error. Beim Open Cardboard Project werden nach dem Motto “Play to know” aus Pappe und Klammern Open Cardboard Play Houses, kleine Karton-Spielhäuser für Kinder gebaut. Vor Ort auf der Maker Faire war das OpenCard Planetarium aufgebaut. Ein kleine “Hütte” mit runder Kuppel, an die ein Diaprojektor, den Sternenhimmel projizierte.

Passwort: makerfaire

Maker sein

Mit einfachen Materialien bauen, alte Handwerkskunst wertschätzen und gebrauchte Gegenstände neu aufbereiten und wieder verwerten, nachhaltig leben oder Abfallprodukte wieder verwerten, ist ein Thema, bei dem sich Maker auf vielfältige Art und Weise auf den Weg machen, um eine kreative Lösung zu finden.

Maker nutzen außerdem aktuelle Technik und modernste Technologie wie 3D Drucker, Lasercutter, Software oder Robotertechnik, um Ideen umzusetzen oder Modelle zu entwickeln und Prototypen herzustellen.

Einen Großteil der Ausstellungsfläche haben Anbieter von 3D Druckern und Maker mit ihren 3D Kreationen belegt. Den größten Eindruck hat der kleinste Drucker namens ONO 3D hinterlassen, ein Smartphone Drucker, früher OLO genannt.

Mit einer App lassen sich kleinere Objekte drucken. Flüssiges Material, ersetzt das Filament, aus dem die Druckergebnisse bestehen. Finanziert wurde die Produktion des Smartphone Druckers übrigens über eine Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter. Mit diesem portablen kleinen 3D Drucker, der für rund 99 Dollar erhältlich ist, wird 3D Drucken für alle möglich und erschwinglich. Consumer Printing ist damit weiter auf dem Vormarsch. Nützlich ist ein „Heim-Drucker“, wenn zum Beispiel ein kleines Teil wie der Drehknopf an einem Radio kaputt geht. Gibt es kein Ersatzteil, ist das ganze Gerät unbrauchbar. Mit einem 3D Drucker kann das Ersatzteil einfach zu Hause nachgedruckt und das Gerät muss nicht entsorgt werden.

Bei 3D Druck wird mit Kunststoffen gearbeitet, die erhitzt werden, um ein Objekt zu drucken. In Punkto Filament ist 3dk.berlin, ein Unternehmen, das Material wie Filament anbietet, aus dem 3D Drucke gefertigt werden, einen Schritt weiter. Sie bieten Recycling-Filament an, das aus 100% recycelten PLA-Joghurtbechern besteht. Damit wird aus Abfall ein Material, das neu genutzt werden kann.

DIY Raspberry Pi Laptop

Das bereits erfolgreiche Startup-Unternehmen pi-top, Sponsor der Maker Faire, hat einen günstigen Laptop auf Raspberry Pi-Basis gebaut, dessen Prototyp aus dem 3D Drucker stammt. Raspberry Pis sind sehr einfach aufgebaute Rechner, die entwickelt worden sind, um jungen Menschen den Erwerb von Programmier- und Hardware­kenntnissen zu erleichtern, ohne viel Geld für einen Computer ausgeben zu müssen. Sie werden gerne im Kontext der MINT-Ausbildung eingesetzt, also Bildung in den Bereichen Mathematik, Ingenieurwissenschaft, Naturwissenschaft und Technologie. Mit ihren auffällig grünen Computer-Einsteiger-Sets wollen die Gründer von pi-top positive soziale und erzieherische Wirkungen im Bildungssystem fördern. Auf der Maker Faire tummelten sich vor allem viele Kids am pi-top-Stand, um Minecraft zu spielen.

Wer Piano spielen möchte, braucht ein Tasteninstrument. Nicht so Halis Uzun. Sein “Instrument” zum Piano spielen ist eine PC-Tastatur. Er ist der Erfinder von Matrix Piano, einer Web-App, mit der in Kombination aus PC-Tastatur und Maus musiziert werden kann. Wer möchte, kann ebenso über ein Touch Display musizieren.

Roboter"kabibo" von variobot.com

Roboter „kabibo“

Wer nicht programmieren oder Piano spielen kann oder möchte, hatte auf der Maker Faire die Gelegenheit, mit Bausätzen von VarioBot zu experimentieren. In einem der Workshops konnte ein “kabibo” gebaut werden. Ein sensorgesteuerter Roboterbausatz mit variabler Steuerschaltung zum Stecken, der einen spielerischen Einstieg in Elektronik und Robotik ermöglichen soll. Mit Hilfe eines Mini-Steckbretts lassen sich verschiedene Steuerschaltungen umsetzen, um den Roboter kreiseln oder einen Parcours fahren zu lassen und mehr. Das hat die Kinder begeistert, aber nicht nur. Das Bastelfieber hatte viele Erwachsende gepackt, die ebenfalls teilgenommen haben. Mein Ergebnis zeigt das Bild gleich hier: Roboter kabibo“ 😉

Making = Bildung 4.0

Zugang erhalten und ausprobieren, unabhängig von den Kenntnissen oder dem Geldbeutel, auf spielerische Art mit Lust zum Experimentieren, ist ein Grund, weshalb sich ein Besuch bei einer Maker Faire lohnt. Ein weiterer Grund ist der Kontakt zu den vielen kreativen Menschen. Sie sind ausgesprochen offen und freundlich und befinden sich absolut im Flow und helfen damit damit auf ihre Art die Welt zu verbessern.

OneDollarGlasses

Zwei Maker-Projekte sind auf der Maker Faire besonders aufgefallen, weil sie Lösungen für kleines Geld für eine große Anzahl an Menschen bieten. Mit einfachen Mitteln wurden pfiffige Lösungen kreiert, die nicht nur erschwinglich sind, sondern auch zum Selbermachen empowern.

Das ist einerseits eine Brille …
Weltweit benötigen mehr als 700 Millionen Menschen eine Brille, können sich diese aber nicht leisten. Die Lösung für sie ist eine 1 Dollar Brille, eine Brille, die aus einem leichten flexiblen Federstahlrahmen mit vorgefertigten Linsen zusammen gebaut wird. Das Ganze lässt sich mit einfachen Biegemaschinen lokal herstellen und kostet nur einen 1 US-Dollar!

… und andererseits Ein Liter Licht: Kerosin Laterne 2.0. Mit Nicolai Rapp konnten wir ein kurzes Interview führen.

Die nächste Maker Faire Berlin findet vom 25. bis 27. Mai 2018 im FEZ in Wuhlheide statt. Interessierte Maker und auch Firmen können sich ab sofort mit ihren Projekten bewerben. Über das Jahr verteilt gibt es noch weitere Maker Faires im deutschsprachigen Raum. Am besten hier einen Blick auf die Übersicht werfen. Es lohnt sich für die ganze Familie!

Zur Info
Maker Faire Berlin ist eine unabhängig organisierte Veranstaltung unter der Lizenz von Maker Media, Inc. Die Maker Faire Berlin steht unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Alle Maker Faires in D/A/CH werden vom deutschsprachigen Make Magazin präsentiert. Hier geht es zur Bilderstrecke der Organisatoren. War wieder toll. Vielen Dank!

Startertipp

Wer nicht bis zur nächsten Maker Faire warten möchte, kann bei Offenen Werkstätten und in Repair-Cafés eine Werkstatt zum Start ins Selbermachen finden. Kinder, Jugendliche und Erwachsene finden hie und da Makerspaces in Bibliotheken, bei denen sie einfach und kostenfrei andocken können. Was dort gemacht wird und wie das funktioniert erzählen jeweils im YouTube-Video Dörte Kleyling und Karin Liebertz für die Schiller-Bibliothek in Berlin und Bettina Scheurer für die Stadtbibliothek Köln. Wer mehr über Maker Faires erfahren möchte, kann sich AnjaTime auf YouTube anschauen, zum Beispiel „AnjaTime – Make, Maker, Makerfaire“ oder einen Blick in den Leuchtfeuer 4.0 MOOC werfen.

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