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Offene Räume und wo sie zu finden sind

Zusammenfassung des 4. Kapitels bei #feuer40
Johannes hat solch eine schöne Zusammenfassung des Kapitels Öffnungsprozesse im Leuchtfeuer 4.0 MOOC erstellt, in dem er Themenpate war, dass wir das hier mit seiner Zustimmung noch weiter streuen möchten.

Die heutige Gesellschaft ist, viel stärker als jemals zuvor, vom ständigen, schnellen Wandel und großen, disruptiven Veränderungen geprägt.

Mit Beginn der Digitalisierung und dem damit beginnenden Niedergang der „klassischen“ Arbeits- und Freizeitmodelle veränderte sich nicht nur die Art wie wir arbeiten und unsere Freizeit verbringen, sondern auch wo wir das tun.

Anstelle von Manufaktur- und Fließbandarbeit tritt in zunehmenden Maße kreative, freie Arbeit und anstelle von starren Arbeitszeiten ein immer flexibleres Stundenmodell.

Diese neue Form der Arbeit und der Freizeitgestaltung benötigt natürlich auch neue Räume: Räume, die flexibel und verlässlich zugleich sind, in denen man sich inspirieren und vernetzen kann und die auch im Freizeitbereich nutzbar sind.

Solche Räume lassen sich als „offene Räume“ bezeichnen.

„Offene Räume“ sind als Schlagwort mittlerweile weit verbreitet und auch wenn keine ganz klare Definition davon vorliegt was offene Räume überhaupt sind, so können sich die meisten etwas darunter vorstellen.

„Offene Räume“ oder „Open Spaces“ zählen zur selben gedanklichen Welt wie „Co-Workingspace“, „Freelancer“ oder „Open Educational Resources“ und sind mittlerweile (oder eigentlich schon immer?) ein unverzichtbarer Teil einer modernen, kreativen und flexiblen Arbeitswelt.

Was zeichnet denn nun so einen „offenen Raum“ eigentlich aus, wofür ist er da und was kann ich von ihm und in ihm erwarten?

Unabdingbar für einen „offenen Raum“ scheint die tatsächliche, bauliche Offenheit zu sein.

Er sollte angenehm gestaltet und beleuchtet sein, mit ausreichend Platz zum Arbeiten, aber auch Ecken zum Kraftschöpfen und Kontemplieren aufweisen.

Natürlich muss eine ordentliche Anbindung an den größten „offenen Raum“ aller Zeiten, das Internet, vorhanden sein und eine ausreichende Versorgung mit dem Kraftstoff des digitalen Zeitalters, Strom, ist unabdingbar. Außerdem werden großflächige Möglichkeiten, wie z.B. lange weiße Wände, zum Teilen von Ideen, Visualisieren von Projekten und für allgemeine Diskussionen benötigt.

Während man klassischen „Zweckbauten“ in Behörden oder Universitäten schon direkt ansieht, was ihre Aufgabe ist, so zeichnet sich ein „offener Raum“ dadurch aus, dass er quasi die Personalisierung seines eigenen Auftrags ist – er ist offen, kann für alles und nichts gleichermaßen genutzt werden, nur kann in ihm nicht ausschließlich alles oder ausschließlich nichts passieren.

Heute findet in einem offenen Raum vielleicht ein großer Workshop zum Thema „Urban Gardening“ statt, morgen arbeiten dort Freelancer neben Ehrenamtlichen an verschiedenen Projekten und übermorgen läuft dort ein VHS-Photographieworkshop neben dem Nähkurs für Anfänger, der von einer Stadtteilinitiative organisiert wird.

Dieses bunte Potpourri an verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten bedeutet aber auch, dass ein „offener Raum“ zwar auch mal ein Co-Workingspace sein kann, dies aber nicht auf Dauer ist. „Offene Räume“ dienen nicht der reinen produktiven Arbeit, sondern dem Ideen-Sammeln, Brainstorming und „frische Luft“ schnappen.

Sie werden kurzzeitig genutzt, verändert und belebt, aber dienen nicht der Dauerstimulation – in dieser Hinsicht ähneln sie stark dem Kaffee: Eine Tasse stimuliert und belebt, 5 Tassen später ist man zu nichts Sinnvollem mehr zu gebrauchen.

Wichtig ist, das „offen“ nicht „beliebig“ heißt, ein „offener Raum“ ist also für jeden da, der ihn braucht, aber „nur“ in seiner Funktion als „offener Raum“ und nicht als privates Arbeitszimmer.

Nun ist ein „offener Raum“ in erster Linie erst mal ein Raum, mit Leben müssen ihn die Menschen füllen, die ihn besuchen.

Diese Menschen sind es dann auch, die dem Raum erst seine richtige „Offenheit“ geben und ihn zu einem lebendigen, pulsierenden Teil der Gesellschaft machen.

Community-building ist also extrem wichtig, um einen neu entstandenen „offenen Raum“ aktiv, kreativ und produktiv werden zu lassen! Erst durch die lebendige Vernetzung und gelebte Kollaborationen entsteht eine Kultur, die den Raum dann zu etwas Besonderem, zu einem organischen Mittelpunkt einer kreativen Gesellschaft werden lässt.

Die Schwierigkeit besteht anfangs wahrscheinlich vor allem darin, genügend Mitgestalter zu finden, die bereit sind, sich, ihre Zeit und ihre Ideen in dieses Projekt zu stecken und dabei aktiv an der Gestaltung der „offenen Kultur“, die zu jedem „offenen Raum“ gehört, mitzuwirken. Ist diese kritische Menge jedoch einmal erreicht, so steht dem „offenem Raum“ nichts mehr im Wege!

Was passiert nun, wenn man zwar eine lebendige und aktive Community hat, aber weit und breit kein „offener Raum“ in Sichtweite ist? Man schafft sich einen!

Das Schöne an einem „offenem Raum“ ist, dass er nicht zwangsläufig den vorhin genannten Kriterien entsprechen muss – sie beschrieben ein Idealbild, das aber maximal als Leitfaden für die Entwicklung von offenen Räumen benutzt werden sollte.

Jeder Park, jede Bibliothek und jede Wohnung kann stundenweise, tageweise oder sogar jahreszeitenweise zu einem offenen Raum werden, wenn es eine Community gibt, die ihn regelmäßig nutzt, sich dort austauscht und mit Leben füllt.

Bestehende Communitys können somit auch klassische, „begrenzte Räume“ besetzen, öffnen und zu einem kreativen Zentrum werden lassen! Das aktive Moment von kreativen Bewegungen sollte niemals unterschätzt werden, denn es bietet die Möglichkeit die Gesellschaft nachhaltig durch disruptive Veränderungen mitzugestalten!

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1 Comment

  1. Andreas Kaufmann

    Das Konzept des offenen Raumes erinnert ein bischen an den Hain des Heros Akademos.

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