Input

Was wir als Zivilgesellschaft von Hochschulen erwarten

Eine kollaborative Produktion von Angelica Laurençon & Anja C. Wagner, gemeinsam mit Christoph Schmitt und Nicole Bauch.

Vorwort

Im Frühjahr 2016 führten wir den “Massive Open Online Course” (MOOC) zum Thema Arbeit 4.0 durch. An die MOOC-Erfahrungen und Diskussionen anknüpfend, formulierten wir anschliessend das Bildung 4.0 Manifest, das den neuen Zusammenhang zwischen Arbeit und Bildung 4.0 im 21. Jahrhundert aufzeigt.

Der Stifterverband bat uns herauszuarbeiten, welche Konsequenzen diese Entwicklung aus unserer Sicht für die Hochschulen mit sich bringt und welche zentralen Aufgaben und Funktionen aus dieser Perspektive auf die Bildungsinstitutionen zukommen. Wir schrieben dazu im Sommer einen kleinen Bericht, dessen Ergebnisse wir in den nächsten Wochen hier veröffentlichen.

In der letzten Woche reflektierten wir unsere 10 Thesen aus dem Manifest, welche Bedarfe sich daraus für KMU, vor allem die kleinen Unternehmen, ergeben und welche Lücken hier das Hochschulwesen (noch) füllen könnte.

In diesem Blogpost untersuchen wir den Jahresbericht 2016 des Stifterverbandes anlässlich des Hochschul-Bildungs-Reports 2020 mit seinen 8 Thesen zur akademischen Arbeitswelt 4.0 und heben Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu unseren Thesen und Schlussfolgerungen hervor.

Danach stellen wir die gesamte Studie zum Download kostenfrei bereit.

Und schließlich veröffentlichen wir unser Buch zum Thema Bildung 4.0.

Hochschul-Bildungs-Report 2020: Jahresbericht 2016

8 Thesen zur akademischen Arbeitswelt 4.0

Der Jahresbericht 2016 des Stifterverbandes in Kooperation mit McKinsey für den Hochschulbildungsreport 2020 (PDF) enthält 8 Thesen zur akademischen Arbeitswelt der Zukunft:

  1. Das Arbeiten mit digitalen Technologien wird zum festen Bestandteil des akademischen Kompetenzprofils.
  2. In der Arbeitswelt 4.0 fallen Routinetätigkeiten weg und werden durch komplexere akademische Tätigkeiten ersetzt.
  3. Mit dem Siegeszug von Big Data durchdringen forschungsbasierte Tätigkeiten die Arbeitswelt und institutionelle Grenzen der Forschung werden durchlässig.
  4. Die Nachfrage nach akademischen Qualifikationen steigt und für Akademiker entstehen neue, durch Mensch-Maschine-Interaktion und Digitalisierung geprägte Berufsbilder.
  5. Immer mehr beruflich Qualifizierte benötigen akademische Qualifikationen, immer mehr Akademiker benötigen berufliches Wissen.
  6. Lernen prägt das neue Arbeiten und Arbeiten prägt das neue Lernen.
  7. In der Arbeitswelt 4.0 trifft höhere Eigenverantwortung auf neue Formen der Kollektivarbeit.
  8. Die Generation junger Akademiker verändert die Arbeitswelt.

Schnittstellen zum Bildung 4.0 Manifest

In den Begründungen zu den 8 Thesen werden viele wichtige Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt 4.0, daraus resultierende Problemfelder der Hochschulen und mögliche Lösungsansätze formuliert. Mit Blick auf unsere im Bildung 4.0 Manifest formulierten Thesen und welche Herausforderungen wir für Hochschulen sehen (siehe den letzten Blogpost), können wir folgende Gemeinsamkeiten in der Einschätzung feststellen:

  • Der Bedarf hin zu mehr “Open Science” ist seitens des Bildungs-Establishments erkannt – ebenso die Notwendigkeit einer besseren Zusammenarbeit über die institutionellen Grenzen hinweg.
  • Hochschultypübergreifende Kooperationen werden zu selten genutzt. Vielfältige Kooperationen wären jedoch erforderlich, auch für die Lehre – v.a. auch die flexible Nutzung einer Vielzahl an Lernorten, auch in den Unternehmen vor Ort.
    • Anm.: Durch eine kooperative Aus- und Weiterbildung über verschiedene Lernorte hinweg kämen sofort auch andere Arbeitsmodelle in die KMU. Die Betriebe würden sich öffnen, indem sie auch temporären Expert/innen Platz und Gehör verschaffen.
  • Die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung muss sich deutlich verbessern.
  • Private Anbieter versuchen die entstandenen Lücken zu füllen, weil sich Hochschulen zu wenig dynamisch bewegen im Hinblick auf den Arbeitsmarkt.
  • Neben der Ausbildung von Angestellten gilt es, den verstärkten Wunsch hin zur (Solo-)Selbstständigkeit zu unterstützen.
  • Da die Bedeutung von kollaborativen Plattformen und Selbstorganisation wächst, sollten Hochschulen mehr unternehmerisches Handeln und Eigenverantwortung fördern.
    • Anm.: Kollektivarbeit funktioniert aber nur, wenn dahinter ein Netzdenken und eine Netzdynamik steht, die DNA der digitalen Revolution. Sie enthält an sich das offene Prinzip: Open Innovation, Open Source, Open Access, Open Science.
  • “Traditionell ist die Vermittlung von Fachkompetenzen der Kern akademischer Bildung. Für die Vorbereitung auf die Arbeitswelt 4.0 gewinnen jedoch die überfachlichen Kompetenzen an Bedeutung.“
  • Methodisches und analytisches Denken wird ultimativ wichtig. Und die Beurteilung von externen Forschungen und statistischen Analysen wächst zur zentralen Kompetenz aller Akademiker/innen heran.
  • Kontinuierliche Weiterbildung ist heute wichtiger als die grundständige Ausbildung.
  • “Digitale Infrastruktur ausbauen: Um kreative, kooperative digitale Angebote aufzubauen, benötigen Hochschulen eine entsprechende digitale Infrastruktur. Die Politik sollte den Auf- und Ausbau einer solchen Struktur finanziell und administrativ besser fördern. Ziel ist die Entwicklung einer hochschulübergreifenden, kompatiblen Infrastruktur zur besseren Zusammenarbeit verschiedener Bildungsanbieter.“
    • Anm.: In den letzten Jahren wurden zu viele Plattform-Entwicklungen über Drittmittel-Finanzierungen angestoßen, die nicht nachhaltig angelegt waren, oftmals nicht der aktuellen “User Experience” entsprachen und einfach nicht mit der Aufmerksamkeitsökonomie im dynamischen Digitalmarkt mithalten konnten. Hier sollten Kräfte gebündelt und auch quer gedacht werden.
  • “Die Verschmelzung von akademischen und beruflichen Tätigkeiten bedeutet, dass immer mehr Arbeitnehmer für ihre Berufstätigkeit anwendungsorientiertes akademisches Wissen benötigen.“
    • Anm.: Das Ende der Laufbahnkorridore ist auch das Ende der Tunnelstrategien in der Bildung, Ausbildung und Weiterbildung. Hier öffnet sich Raum für Interaktionen, hybride Kompetenzraster – mit oder ohne Master – aber immer praxisbezogen. “Hybride Jobprofile verlangen hybride Bildung”, ist auch das Fazit der Havard Business Review.
  • Interessant ist das “Studium individuale” der Leuphana Universität als angeführtes Best Practice-Modell (S.38).

Bevor wir die Stifterverband-Studie kritisch gegen den Strich bürsten, möchten wir die Bedeutung einer zeitgemäßen (Weiter-)Bildung für die Arbeitswelt 4.0 in KMU verdeutlichen.

Konsequenzen für Arbeit 4.0 (aus unserer Sicht)

Bildung als ständige Weiterbildung ist künftig ein fester Bestandteil für die Arbeit 4.0, zeitlich, räumlich und ergebnisorientiert. Gewöhnungsbedürfig ist sicher die Abschaffung der Demarkationslinie zwischen Arbeiten und Weiterlernen, das über “learning by doing” hinausgeht, weil der Lernprozess über das Individuum hinausgeht. Die erworbenen Kenntnisse sind Teil seines PLM (“personal learning management”), aber auch Teil des immateriellen Kapitals des Unternehmens. Dieses immaterielle Kapital wird für alle  Unternehmen (auch die Handwerksbetriebe) zu einer festen Komponente seiner Wertschöpfung und seiner Bewertung. Je größer sein immaterielles Vermögen, desto höher sein Ranking.

Das Problem vieler Unternehmen (nicht nur der KMU!) ist die Sichtbar-, Findbar- und Greifbarkeit dieses immateriellen Vermögens. Es verändert sich ständig, so wie sich der Markt, das Wissen der Mitarbeiter, die angewandten Technologien und die Produkte verändern.

Die Präsenz externer, objektiver, zeitgemäß sich selbst weiterbildender und glaubwürdiger Expert/innen aus den Hochschulen kann das Wissensmanagement 4.0, die effektive soziale Kollaboration im Unternehmen, und damit die interne Weiterbildung unterstützen. Von anderen lernen ist nicht nur der kürzeste, sondern auch der kostengünstigste Weg.

Arbeit 4.0 ist entsprechend hybrid. Mit einem Bein in der Praxis, mit dem anderen in der Theorie, im Weiterlernen. Das gilt für die Unternehmen ebenso wie für die Hochschulen. Die schnelle Weiterentwicklung der Arbeitswelt und der Arbeitsmethoden holt alle aus der Routinefalle, zwingt alle ständig vernetzt zu denken, zu arbeiten und weiterzulernen. Lucid statt blind enthält den offenen Blick, statt den professionellen Tunnelblick.

Das gilt auch für Karrierepfade innerhalb der Hochschulen. Sobald die Hochschulen nicht mehr ihre Absolvent/innen – Bachelor, Master, Doktor – nur für den Titel ausbilden, sondern ihren Wissenstransfer kritisch und kategorisch in zwei Kategorien einteilen:

  • kulturelle Erfüllung und Bereicherung einerseits   
  • Beschäftigungsfähigkeit andererseits

und dieses Denken einschließlich der Bewertungsraster auch den Azubis mit auf den Weg geben, verringert sich auch die Kluft zwischen Bildung und Arbeit und beide entwickeln sich kontinuierlich, ohne den Bruch der Umschulung. Daneben gilt es die unternehmerische Kompetenz aktiv mit auszuprägen, um vielfältige neue Unternehmen mit Lösungsorientierung für aktuelle Probleme der Welt mit aufbauen zu helfen.

Ein offener Zugang zu einer digitalen Bildung 4.0-Plattform reduziert dabei Wege, Zeit und Energien, die alle Unternehmen und ihre Mitarbeiter/innen ständig aufbringen müssen, um immer wieder neue Ideen und Lösungen zu erfinden. Solch eine Netzwerkstruktur – von Hochschulen systemisch gefördert und ständig weiterentwickelt – bietet vielfältige Knotenpunkte: Weiterbildung verschmilzt dann mit dem Arbeitsprozess. “Empowered Workers” ist die Alternative zum “On-Demand Workflow”, der das Arbeiten 4.0 in die Clickworker- und Crowdworker-Falle treiben könnte, wo für Bildung 4.0 weder Zeit noch Raum bleibt.

So könnten sich idealerweise praktische Kompetenzen (wie z.B. die eines Klempners) mit neuen Technologien direkt an der Basis verbinden. Veraltete und von der Technologie überholte Kompetenz könnte noch rechtzeitig an neues Wissen geknüpft werden und von der Pike auf neue Berufsbilder schaffen, wie z.B. das des Aquaponikers. Blockchain-Management statt BWL – also keine BWLer oder Volkswirte mehr, die z.B. keine Ahnung von Startup-Prioritäten haben und die Bildung 4.0 nicht als Priorität eines Ökosystems für das 21. Jahrhundert begreifen.

Probleme der Stifterverband-Studie

Blicken wir vor diesem Hintergrund auf die Studie des Stifterverbandes mit ihren acht Thesen zur Arbeitswelt, so sehen wir einige grundsätzliche Problemfelder, die eine ernsthafte digitale Transformation des Bildungssystems schwer vorstellbar machen.

  • Die Studie geht vom alten Weltbild aus (Hochschulen, Studiengänge, Berufsrollen) und sucht nach Wegen, wie sie dieses in die Zukunft retten kann.
  • Die Studie basiert auf der Befragung von Unternehmen nach ihren Einschätzungen, die aber alle selbst zwangsläufig auf dem erkenntnistheoretischen Stand der gängigen Diskussionen sind. Ein Beispiel? Die Autobranche hat bis Anfang diesen Jahres gelacht über Elon Musks Transportpläne…  
  • Die Studie löst leider das Problem nicht auf, wie die akademische Welt für die Vielzahl an neuen Berufsfeldern ausbilden soll, wenn niemand vorhersehen kann, in welche Richtung sich die digitalisierte Welt entwickelt. Es fehlt ein Ansatzpunkt.
  • Die Studie untersucht lediglich den möglichen Einfluss von Hochschulen auf Angestellte in (Groß-)Unternehmen, also die 800.000 Akademiker/innen, die dort beschäftigt sind. Auch wenn sie durchaus den Trend und die Notwendigkeit zu mehr Selbstorganisation sieht, belässt sie es bei einem Appell an mehr unternehmerisches Denken. Wo aber soll dieses herkommen?
  • So hilft auch die Forderung nach mehr dualen Studiengängen nur späteren Angestellten, indem sie frühzeitig zur Anpassung “erzogen” werden, ihnen aber kaum kritisches, transformatives Denken vorgelebt wird.
  • Die Bologna-Orientierung an Berufsfeldern für Studiengänge wird als gut empfunden, obwohl genau dadurch kein kritisches Denken gefördert wird und viele Unternehmen über die schlechten Voraussetzungen der Berufsanfänger/innen klagen.
  • Wiederholt wird in der Studie betont, es müssten mehr Kompetenzen “vermittelt” werden. Kompetenzen kann man nicht vermitteln.
  • Die Studie setzt weiter auf Servicestellen für digitales Lehren und Lernen, die den “Lehrenden die Kompetenzen vermitteln, neue Lehrformate zu entwickeln und durchzuführen.” Zwar betonen sie, dass der Erfolg (trotz massiver finanzieller Unterstützung in den letzten Jahrzehnten) bislang nicht eingetreten ist, aber mehr als ein Weiter-so scheint hier nicht gewünscht zu sein.
  • Die Studie fordert mehr Geld für die IT-Infrastruktur der Hochschulen – das ist u.E. ein falscher Ansatz. Technologie ist derzeit weniger das Problem, eher das Urheberrecht und der zu eng ausgelegte Datenschutz.
  • Die Studie folgt konsequent dem Wachstumsdenken.

Was u.E. komplett fehlt, ist die klare Aussage, dass Bildung ein Gemeingut ist – volkswirtschaftlich sinnvoll und ein kollektives Vermögen darstellt, das möglichst gut investiert werden sollte.

Bildung 4.0 wäre (wie bereits oben erwähnt) die letzte Möglichkeit einer korrektiven Chancengleichheit. Während das Schulwesen zunehmend auf Auslese geht (mit allen Konsequenzen), sollte das Hochschulwesen allen Abbrecher/innen, Aussteiger/innen und Dropouts den Zugang zur Bildung offen halten. Zugang nicht im Sinne eines altbackenen Zugangs zu alten Kursen, sondern Zugang im Sinne einer selbstbestimmten Organisation des persönlichen Arbeits- und Lernpfades, idealerweise auch durch eine bessere infrastrukturelle Unterstützung interessengeleiteter Kompetenzprofile.

Somit fehlt der Studie aus unserer Sicht der volkswirtschaftliche Impuls und Impakt des Bildungssystems, denn dadurch erst kann sich die interaktive Dynamik zwischen Arbeiten 4.0 und Bildung 4.0 vollziehen.  

Die 8 Thesen umgehen insofern behutsam fünf Fragen:

  1. Was ist Bildung 4.0 und ihre Finalität? Was ist das Ziel – außer Wachstum und damit Unternehmensgewinne?
  2. Wie weit ist Bildung in ihrer Lehr-Funktionalität schon von der KI überholt?  
  3. Kollaboration mit künstlicher Intelligenz: Wenn nicht die Hochschulen den Anfang machen, wer sonst?
  4. Warum profitierten bislang nur das flexible Kapital und globale Investoren von den Möglichkeiten der neuen Technologien?
  5. Inwiefern sind substanzielle Bereiche der Bildung bereits nur noch potemkinsche Dörfer?  

Nicht den Unternehmen kommt die Aufgabe zu, die neuen Technologien sofort (!) anwendbar zu machen, sondern dem Bildungssystem, das die Potenziale dynamisch prüft, sie mit bestehendem Know-how abgleicht und erweitert. Das Bildungssystem muss aus sich selbst heraus gesellschaftliche Verantwortung übernehmen – und zwar im Interesse aller Menschen, nicht nur mit Blick auf den eigenen Status. Und dazu müssen sich die Hochschulen vielfältig und heterogen mit der kreativen Zivilgesellschaft vernetzen, weniger mit dem Establishment, weil dort nur Status Quo, nicht aber Transformation zu erwarten ist.

Was wir als Zivilgesellschaft von Hochschulen erwarten, ist ein fundamentales Reset ihrer gesellschaftlichen Funktion am Puls der Zeit:

  1. Sie schaffen Vertrauen, indem sie sich auf vielfältige Weise der Gesellschaft öffnen.
  2. Sie positionieren sich als unparteiische (!) Expert/innen im Interesse des Allgemeinwohls und verfolgen nicht primär ein eigennütziges Interesse.
  3. Sie sind glaubwürdiger als die großen internationalen Consulting-Agenturen, indem sie sich nicht qua Arroganz, sondern qua Kompetenz in den Diskurs einbringen.
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5 Comments

  1. martin lindner

    ihr meint das mit der KI, die die menschliche lehre schon überholt haben soll, wirklich ernst? „kollaboration mit künstlicher intelligenz“ an hochschulen? das ist der inbegriff von silicon valley-bullshit.

    [es geht eher um vernetzte, hybride intelligenz, die in den netz- und web-umgebungen entsteht, wenn eine vielzahl bewusster menschlicher statements, fragen, notizen usw. in einen kollaborativen raum gelangen. aber das hat nichts mit dem zu tun, was uns als „künstliche intelligenz“ verkauft wird.]

    1. Angelica Laurençon

      Hallo Martin,

      Wir stehen im Treppenhaus der Bildungs-Revolution, denn beim lebenslangen Weiterlernen wächst auch die Wissensmasse exponentiell – für jeden und alle – mit einem ganz neuen Lern-Verhalten:

      Kurzfristiges Wissen verlangt kurzfristiges Lernen..und Lehraufkommen – ich halte weiter an der positiven Utopie des kollaborativen Lernens und Arbeitens fest, des informellen Wissensaustausch, sehe aber jeden Tag den rapiden und diskreten Vormarsch des technologisch reproduzierbaren Wissens – elearning, MOOCs und Adaptive Learning sind die technologischen“Lösungen“, um diese komplexe Wissensmasse mit kurzfristiger Haltbarkeit zu bearbeiten und zu vermitteln. Es lohnt sich zeitlich nicht mehr, Lehrer oder Dozenten für kurzfristig haltbares Wissen auszubilden ebenso wie für Bewertungs- und Qualitätsraster die Anlaufzeiten viel zu hoch sind.

      KI im Adaptive Learning wird seit 2011 an vielen US Unis in den Erst-Semestern praktiziert, aus vielen Gründen, Kosten, Didaktik, Aussteiger-Quote, Personalmangel u.a.

      Auch in Frankreich und in China wird zunehmend auf KI gesetzt – zur Zufriedenheit der Studenten, denn der „Dialog“ mit einem Robot-Coach nimmt ihnen, so heisst es, die Komplexe – in MINT, Sprachen, Business Administration. So können die Kosten in den Erstsemestern, wo die Aussteigerquote hoch ist, gering gehalten werden – was das Budget der Eltern und der Verwaltung erleichtert und „jedem seine Chance gibt. “

      Für die Weiterbildung in den Unternehmen (die zu 70% immer in der Verbesserung der Grundkompetenzen und des betriebssinternen Wissens besteht) werden schon intensiv KI-Lösungen – oft im Hybridmodell mit MOOCs entwickelt. Das macht keine Schlagzeilen. Die Bildungs-Revolution läuft nämlich schweigend weiterweiter in den Grauzonen – zur grosse Freude der Entscheider, denn so wird Bildung – als lebenslange Weiterbildung – individuell liberalisiert.

      Angelica

    2. Christoph Schmitt

      This is ugly mansplaining, Sir.

  2. Debora Weber-Wulff

    Ja schön, „Das Arbeiten mit digitalen Technologien wird zum festen Bestandteil des akademischen Kompetenzprofils.“ Aber wegen der VG Wort/§52a UrhG dürfen wir keine Digitalisate für die Studierenden nach dem 1.1.2017 anbieten, ohne sie zu registrieren und dafür zu bezahlen. D.h., zurück zur Apparat in der Bibliothek, die Studierenden dürfen dann selber scannen/Kopien herstellen. Die Reaktion der Hochschulen: Einfach nichts mehr in LMS hochladen. Dieses ist eine ernsthafte Bedrohung von der Nutzung von digitalen Technologien, und die Hochschulen sind bisher untätig gewesen. Na ja, wir Dozenten baden es aus….

  3. […] des Hochschul-Bildungs-Reports 2020 mit seinen 8 Thesen zur akademischen Arbeitswelt 4.0 und heben Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu unseren Thesen und Schlussfolgerungen […]

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