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#flow40: Interview mit Andrea Brücken

#flow40
Am 28. Dezember schalten wir einige Angebote auf unserem FlowCampus frei. Einen Relaunch erfahren hat z. B. der beliebte Sketchnoting-Kurs von Andrea Brücken. Wir haben auf Anfrage die 4 Kapitel in einzeln buchbare Ein-Stunden-Micro-Kurse überführt und überarbeitet. Bald kann man diese auch vorab buchen. Als Geschenk für sich oder andere für das kommende Jahr 2018 ist dies vielleicht eine Überlegung wert?! Wir stellen euch die Kurs-Anbieterin hier vor.

Triff: Andrea Brücken

Foto: CC-BY 4.0 Thomas Dick

1. Wer bist du? Und wie fandest du zum Sketchnoting?

Ich bin seit über einem Jahrzehnt als Redakteurin in Print und Online-Medien tätig. Derzeit bin ich mitverantwortlich für das Kundenmagazin eines öffentlichen IT-Dienstleisters. Ich war außerdem Bloggerin, Community Manager, Projektmanager für E-Learning-Kurse, Coach und Trainer.

Zum Sketchnoting kam ich vor drei Jahren, also 2014. Zuerst habe ich nur nach etwas Kreativem gesucht – als Ausgleich zum professionellen Schreiben von Sachtexten.

Über Twitter fand ich die sehr herzliche und offene internationale Community #todaysdoodle. In einer 365 Tage dauernden Challenge konnte ich dort täglich irgendetwas Gezeichnetes online teilen. Ich fing schnell Feuer, professionalisierte meine Visualisierungstechniken und wurde Sketchnoterin.

Anfang 2017 gründete ich die Facebook-Gruppe Sketchnotes Germany, weil meiner Ansicht nach in Deutschland ein Forum fehlte, in dem sich Deutschsprachige intensiv und fachlich über Visualisierung austauschen können. Inzwischen hat die Gruppe über 700 Mitglieder. Zusammen mit drei anderen Frauen organisierte ich außerdem das 1. Internationale Sketchnote Camp, das vom 22.-23.September 2017 in Hamburg stattfand.

2. Was fasziniert dich am Sketchnoting?

Es gibt viele Aspekte, die mich am Visualisieren begeistern:

  • Als erstes finde ich fantastisch, wie es mir dabei hilft, meine Gedanken zu ordnen. Jedes Mal, wenn ich einen längeren Fachartikel schreibe, erstelle ich mir vorab eine visualisierte Struktur vom Aufbau der Inhalte.
  • Des Weiteren nutze ich Sketchnotes, um Ideen auszuarbeiten. Ich beginne mit einem Schlagwort, visualisiere Assoziationen und markiere Querverbindungen. Ruckzuck entwickelt sich eine visuelle Landkarte und somit eine Welt, derer ich mir zu Beginn nicht bewusst war. In Folge kann ich meine zunächst vagen Ideen schärfen und ihnen eine Kontur verleihen, die ich mit anderen Menschen diskutieren kann.
  • Schließlich bin ich der Ansicht, dass Sketchnotes die Kommunikation unterstützen. Das gilt besonders für den interkulturellen Austausch über Sprach- und Landesgrenzen hinweg. Aber auch im Alltag mit Menschen aus meiner eigenen Kultur hilft mir das Visualisieren: Wir Menschen benutzen dieselben Worte, belegen sie aber mit anderer Bedeutung, abhängig von Faktoren wie Sozialisierung, Erfahrung und emotionaler Wertung. Eine kleine Zeichnung hilft oft, Missverständnisse in der Kommunikation zu beseitigen und gegenseitiges Verständnis aufzubauen.

3. Wie kann man Sketchnotes für die persönliche Weiterentwicklung nutzen?

Visualisieren verändert das Denken und die Art des Umgangs mit anderen Menschen.

Ein wundervolles Beispiel ist das jüngste Projekt der Niederländerin Claire Ohlenschläger. Claire hat sie vor kurzem ein Gemeinschaftsprojekt mit Zeichnungen von 23 Sketchnotern aus 10 Ländern gestaltet.

Ihre Mitstreiter aus aller Welt haben sich im Rahmen des Projektes gegenseitig unterstützt und treten gemeinschaftlich für „die Sache“ ein: Sie geben auf diese Weise ein deutliches Statement für das Visualisieren ab, haben gemeinsam gezeichnet, über Technik und Stil diskutiert und ihre Beziehung zueinander vertieft.

4. Da sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen derzeit so ändern: Welchen Beitrag kann Sketchnoting dabei spielen?

Visualisierung ist aus meiner Sicht eine angeborene Sprache. Nicht nur nehmen wir über Dreiviertel aller für uns relevanten Informationen über die Augen auf: Als Kinder sind wir noch unbefangen von Ängsten wie „Ich kann nicht zeichnen“ und kritzeln einfach drauf los.

In der Schule greifen dann die gesellschaftlichen Konventionen. Beim Zeichnen zeigen einige Kinder „Talent“ und werden in Kunst-Kurse geschoben. Den anderen – scheinbar weniger Begabten – signalisiert man: Du kannst nicht zeichnen, lass es.

Noch einmal: Visualisieren ist eine angeborene Sprache! Diese sollten wir endlich schätzen lernen und fördern. Sie hilft uns bei der Selbstorganisation, dem Wissensmanagement und in der Kommunikation.

Im Laufe des vergangenen Jahrzehnts hat sich die Informationsstruktur extrem verdichtet, die Aufmerksamkeitsspanne ist bei allen Menschen gesunken. Es fällt zunehmend schwerer, „den Durchblick“ zu behalten, falsche von richtigen Informationen zu unterscheiden und in einen größeren Kontext einzuordnen.

Visualisierungstechniken können uns helfen, das „große Ganze“ besser zu erfassen und herauszufinden, welche Informationen für unsere Entscheidungen relevant sind. In diesem Sinne unterstütze ich aus vollem Herzen die Doodle Revolution.

5. Ein-Stunden-Micro-Kurse: Was gefällt dir persönlich an diesem Format?

Kleine tägliche Lerneinheiten sind leicht zu bewältigen und zeigen nach meiner Erfahrung schnelle Erfolge.

Der Aufbau der Micro-Kurse mit den verschiedenen Bausteinen wie Text, Video, Checklisten, Vorlagen, Aufgaben bietet sich geradezu an für das Lernen in kleinen Schritten. Man langweilt sich nicht, erzielt schnell Erfolge und bekommt durch individuelles Video-Feedback zu den Aufgaben sehr schnell ein Gefühl für die eigenen Stärken und Schwächen.

Das sind perfekte Vorraussetzungen für die Entwicklung von neuen Kompetenzen.

Hier geht’s zu Andrea’s Staff-Profil auf dem FlowCampus.

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