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Bildungspolitische Memes – ein Dauerbrenner (Teil 1/N)

Mit einem Auge gestern teilweise den Twitter-Stream zu #Bildung18 verfolgt und kopfschüttelnd erneut festgestellt, dass heutzutage nun wirklich JEDER eine dezidierte Meinung zu “digitaler Bildung” in der Schule (!) hat. Wirklich J-E-D-E*R – und keinen Allgemeinplatz lassen sie aus, um ein erleichtertes Kopfnicken der Zuhörer*innen zu erlangen.

Das Ganze spielt sich dann irgendwo in der politischen Grauzone zwischen Beratungshäusern, Bildungsanbietern, Parteien, Nerds und Lobby-Verbänden ab. Nicht alles ist falsch, was sie sagen – und manche stecken etwas tiefer in der Materie als andere. Aber in der Gesamtansicht, der allgemeinen Gemengelage, sind die einfach gestrickten, oft wiederholten Antworten wirklich schwer zu ertragen.

Wenn es nicht so traurig und wichtig wäre, müsste man diesen Diskurs ignorieren. Aber ich kann nicht weghören – oft nicht. Und mein Umfeld sagt mir, ich solle diesen Diskurs etwas sezieren. Von daher erlaubt es mir, das Ganze ein wenig zu sortieren? Okay, danke 😉

Zur Info
Damit man das ggf. besser diskutieren und verlinken kann, unterteile ich diesen Beitrag in diverse kleinere, thematische Blogpostings zu verschiedenen, aktuellen, bildungspolitischen Memes. Zu allem könnte man mehr schreiben, aber dazu fehlt mir derzeit die Zeit.

Meme Nr. 1: Bildung ist nicht gleichbedeutend mit Schule

Eigentlich Common Sense und alle wissen es. Aber letztlich wird beim Thema Bildung immer wieder nur das Thema Schule beleuchtet. Zumindest in diesen öffentlichen, grossen Bildungsveranstaltungen. Von hinten und vorne, oben und unten: Wie bereitet man die Kiddies auf die Welt von morgen vor?! Und zwar im Mikrokosmos Schule.

Zwar weiss niemand von uns, wie genau diese Welt ausschauen wird – darüber spricht man aber bei solchen Anlässen kaum. Abgesehen davon, dass es ein digitales Zeitalter sein wird – und hey, da muss man doch programmieren können – oder wenigstens etwas Informatik verstehen, isn’t it?! (Dazu später mehr.)

Leider versäumen es viele der Erwachsenen, sich selbst adäquat für das 21. Jahrhundert weiterzubilden, also umfänglich die verschiedenen Facetten zu beleuchten. Aber egal: Die armen Kleinen können nicht mitreden und es ist thematisch schön weit entfernt von uns. Also überlegen wir alle möglichst oberflächlich, wie wir die jungen Menschen auf die Welt von morgen vorbereiten. Schliesslich kennen wir ja alle den ein oder die andere der nächsten und übernächsten Generation.

Das schadet auch nicht dem eigenen Geschäft, seien es nun Wähler*innen, Käufer*innen, Auftraggeber*innen oder whatever. Zudem findet es Anklang im besorgten Mainstream. Denn jede/r weiss, um unser Bildungssystem ist es nicht zum Besten bestellt. Und naja, wir sind ja alle irgendwann durch die Schule gewandert, also sind wir auch alle thematische Expert*innen.

Gut, das klingt jetzt zynisch – ist es auch. Aber beim Thema “Bildung” müsste im 21. Jahrhundert weit mehr ins Blickfeld gerückt werden als die klassische Ausbildung. Auch um klassische Weiterbildung geht es heute kaum mehr. Vielmehr geht es heute darum, das gesamte Bildungssystem als solches komplett neu zu denken – und die Menschen darin systemisch mit einer humanistischen Haltung auf Augenhöhe zu unterstützen, sich mit ihren tatsächlichen Stärken an der Gestaltung unserer weiteren Entwicklung aktiv zu beteiligen.

Nun gut, da haben Industrievertreter(innen) oftmals andere Vorstellungen, da sie möglichst viele der Potenziale für ihre eigene Kapitalentwicklung nutzen wollen. Und dieses wird dann volkswirtschaftlich verargumentiert. Aber genau diese regionale Volkswirtschaft droht unterzugehen, wenn wir nicht umsteuern und den Menschen die Rahmenbedingungen zur Verfügung stellen, damit sie selbst an Lösungen für bestehende Probleme im Sinne der Kreislaufwirtschaft arbeiten können.

DAS wäre zeitgemässe Bildung. Aber das ist natürlich nicht mit ein paar Allgemeinplätzen zu benennen. Und auch nicht seitens etablierter Bildungsanbieter oder Consulting-Firmen von oben herab: “Wir wissen, wie der Hase zu laufen hat und wir schaffen für euch geeignete Strukturen.”

Erhebt euch bitte nicht über andere, möchte ich allen zurufen! Arbeitet mehr an euch selbst und geht als Vorbild durch die digitale Landschaft. Nicht mahnend, nicht fordernd und fördernd, sondern einfach ganz normal als selbst reflektierte Menschen. Und verkauft nichts! Erst recht nicht euer Business, wie auch immer ihr euren Haushalt aktuell finanziert. Keine PR, wie toll und wichtig ihr seid – und WAS ANDERE brauchen! Fangt bei euch selbst an! Und berichtet darüber. Dann können wir weiter reden.

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3 Comments

  1. […] den in Meme Nr. 1 angeführten (armen) Kindern wird als weiterer Adressat DER Bildung gerne das Segment der […]

  2. Jürg Leuenberger

    Das nenne ich mal eine gelungene Analyse!

    1. Anja C. Wagner

      Danke 🙂

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