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Mögliche sozialpolitische Begleitmaßnahmen für #bildung40

Lässt man sich auf das gedankliche Experiment ein, das Bildungssystem angesichts der anstehenden Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt einmal komplett neu zu denken und damit zu restrukturieren, starten wir mit Tabula Rasa und der grundlegenden Frage: Was nun?

Zunächst stünde uns das bisherige, institutionalisierte Bildungsbudget zur Neuverteilung zur Verfügung.

Geht man des Weiteren davon aus, dass angesichts der Dynamik der Arbeitswelt immer mehr Menschen in prekäre Verhältnisse rutschen, zugleich aber in den ineffizienten Fortbildungsschleifen des bestehenden Bildungssystems nicht mehr adäquat weiterqualifiziert werden können, stünde plötzlich das Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) im Raum.

Sofern man sich darauf einließe, könnte dieses Konzept unsinnige Bürokratie vermeiden helfen und damit Freiräume für konstruktive Entwicklungen schaffen. Die gesamte BGE-Diskussion nachzuzeichnen, sprengt den Rahmen dieses Beitrags.

Spielen wir das Potenzial aber theoretisch einmal durch, dann kämen also zu den Geldern des Bildungsbudgets noch die kompletten Bestände des Sozialsystems hinzu (hier schematisch auf die Schnelle).

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Aus diesem Fundus, flankiert von einer Restrukturierung des Steuersystems, ließe sich also das neue Rahmenprogramm für ein modernes Sozial- und Bildungssystem gestalten.

Jetzt stellen wir uns weiter vor, wir würden das gesamte Bildungssystem einmal so denken, wie Google (oder jetzt eben: Alphabet) als Firma agiert. Wir würden aus den Fundus-Mitteln, neben dem BGE, individuelle Budgets schaffen, über die man gestaltend frei verfügen könnte. Es würden auch digitale Systeme entstehen, die die kollektive Intelligenz der frei rotierenden Ideen und Projekte klug einfangen und in den gesellschaftlichen Kreislauf bringen. Für die Gesellschaft attraktive Projekte erhalten dann mehr finanzielle Unterstützung, andere erhalten vielleicht eher (Wo)Man-Power.

Hier modern nach vorne zu denken ohne sich auf ein neues „Mautsystem“ zu versteifen, sondern vielmehr mit klugen Hacks auf kollaborativer Basis das System dynamisch zu entwickeln, wäre Ziel der Übung.

Solch ein System, unterlegt mit intelligenten Algorithmen, könnte vielfältige, gesellschaftlich wie individuell relevante Potenziale eröffnen, die weit fairer die Budgets verteilen als es derzeit der Fall ist. Dadurch könnte sich ein neuer Möglichkeitsraum eröffnen, der sich kontinuierlich entlang der kollektiven Intelligenz der Crowd weiterentwickeln ließe. Dies wäre ein komplett neuer Ansatz, Sozialpolitik digital neu zu denken und zu praktizieren. Und das wäre nur eine Möglichkeit, endlich einmal quer und gestaltend zu denken …

Warum geschieht das nirgends? Zumindest nicht in den satt finanzierten Institutionen, die für die gesellschaftliche Entwicklung verantwortlich zeichnen? Haben sie etwa Angst vor ihrer eigenen zukünftigen Irrelevanz? Das sind doch die Fragen unserer Zeit, die schnellstens beantwortet werden müssen. Und wer, wenn nicht die Forschung und Wissenschaft müssten sich genau um diese Themen kümmern? Oder haben sich all die Institutionen schon selbst aufgegeben? Kämpfen sie nur noch für ein dröges „weiter-so“?

Veranstaltungstipp
Zu diesem Thema spreche ich am Dienstag, den 16. Januar, um 14 Uhr mit Oliver Janoschka vom Stifterveband LIVE im Rahmen der Ringvorlesung von e-teaching.org. Bei Interesse einfach dazu schalten. Die Aufzeichnung und die Folien stehen anschliessend über deren Website zur Verfügung.

Eine englische Version des Artikels findet sich auf Medium.

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