Input

Interview mit Torsten Schreiber (Africa GreenTec)

Heute möchte ich euch ein Projekt vorstellen, das ich schon lange beobachte und als SEHR unterstützenswert erachte. Das Projekt heisst 2 Solarcontainer mit Speicher für Djoliba in Mali, verfolgt auch die Förderung von Entrepreneurship und Bildung vor Ort und wird per Crowdinvestment finanziert.

Hier zum Einstieg das Image-Video, damit ihr eine erste Vorstellung davon habt, worum es geht:

Mir gefällt der gesamte Ansatz sehr gut, weil hier die Potenziale einer vernetzten Welt aufgezeigt werden, die sehr pragmatisch bottom-up neue Strukturen tatsächlich aufbauen.

Ihr könnt mitmachen!
Für den 2. Container dieser Kampagne wird derzeit noch Geld benötigt und ihr solltet ERNSTHAFT überlegen, ob ihr das nicht innerhalb der nächsten Tage mit 100 Euro oder mehr unterstützen wollt – sogar mit ordentlicher Rendite, wenn nichts schief geht. Hier geht’s lang!

Worum geht es?

Fangen wir vorne an. Torsten Schreiber von Africa GreenTec ist Initiator und Treiber dieses Projektes und er wurde bereits im April von Wolfgang Gumpelmaier zu ebenjener Crowdfunding-Kampagne auf ununi.TV befragt.

Ich sass bei dem Gespräch im Hintergrund und wir verabredeten ein weiteres Gespräch rund um das Thema Bildung. Deshalb habe ich Torsten jetzt 3 Fragen geschickt, die er mir schriftlich beantwortete. Wenn ihr zu dem Projekt oder dem Ansatz weitere Fragen habt, ab damit unten in die Kommentare. Ich werde sie an Torsten umgehend kommunizieren und wir werden die Antworten hier dokumentieren.

Hier jetzt erst einmal meine 3 Fragen:

Stand des Crowdfunding-Projektes

Kannst du bitte dein aktuelles Crowdfunding-Projekt kurz umschreiben? Worum geht es und wie hängen Africa GreenTec, Solarcontainer und Bettervest zusammen?

Bei unserer aktuellen Crowdfunding-Kampagne beteiligen wir die Kleinanleger an zwei mobilen Solarcontainer für die Dörfer Djoliba und Nafadji. Pro Standort fallen inkl. aller Kosten für Produktion, Transport und Aufbau und die Finanzierung (über bettervest) 173.250 Euro an. Der erste Standort ist bereits sicher finanziert, da die Fundingschwelle in dieser Höhe erreicht ist.

Wir befinden uns also aktuell in der Finanzierung des zweiten Standorts, hier fehlen noch ca. 100.000 € um diesen mit Strom zu versorgen. Die Dörfer erhalten über den Solarcontainer eine Stromversorgung mit erneuerbarer Energie, tagsüber aus den Solarmodulen und abends aus der Lithium Eisen-Batterie.

Die einzelnen Haushalte zahlen für den Strom im Durchschnitt mind. 50% weniger als bei einem vergleichbaren Dieselgenerator, einige Haushalte haben aber keinen Dieselgenerator. Dies ist der wirtschaftliche Aspekt. Aus dem Verkauf des Stroms wird die Crowdfunding-Kampagne refinanziert, aktuell mit einer Verzinsung von 7.25% bei einem annuitätischen Darlehen über 8 Jahre.

Wir hatten im letzten Jahr bereits ein erstes Pilotprojekt in Mali erfolgreich absolviert. Africa GreenTec hat das Geschäftsmodell und die Anlage entwickelt und baut sie. bettervest ist die Finanzierungsplattform. Für die Verwaltung, die Finanzierung und den Betrieb wird die dafür gegründete Firma Mobile Solarkraftwerke Afrika GmbH & Co. KG eingesetzt.

Folgen für “die” Bildung

Ihr versteht euch als Social Business und setzt euch besonders für Bildung ein. Durch den Bau und die Bereitstellung des ersten Solarcontainers in Mali habt ihr bereits erste Erfahrungen gemacht. Wie kann ich mir die Folgen für den Bildungsbereich genau vorstellen?

Das Gesamtprojekt ist als Social Business konzipiert und folgt den sog. SDGs. Wir versuchen alle 17 Bereiche der SDGs zu verbessern durch unser Projekt.

Bezogen auf Bildung erhält jedes Dorf, das wir mit dem Solarcontainer elektrifzieren, kostenfrei bis zu 40 Computerarbeitsplätze gespendet. Die Computer werden von Labdoo geliefert und mit ethnischen Programmen ausgerüstet z.B. Sprachlernprogramme, Offline-Wikipedia usw.

Zusätzlich werden die Schulen mit dem Strom aus dem Solarcontainer versorgt. Aufgrund der hohen Temperaturen am Tag, lernen Kinder in Afrika nach Einbruch der Dunkelheit. Mit zunehmender Zahl der Standorte werden wir zudem Elektriker im eigenen Unternehmen ausbilden und eine Solarschule eröffnen um auch Ingenieure an unseren Anlagen auszubilden und zu beschäftigen.

Mit jedem Solarcontainer werden ein Wachmann und ein Dorfelektriker eingestellt, diese werden ebenfalls ausgebildet und erhalten Fortbildungen.

Vor der Inbetriebnahme schulen wir unsere „Kunden“ im Umgang mit Strom und Energieeffizienz. Jeder Haushalt erhält mit dem Anschluss an unser Offgrid-Netz bis zu 4 LED- Leuchtmittel.

Folgen für die Entwicklung

Wenn auf einmal regelmässiger Strom in einer ländlichen Region zur Verfügung steht, wie wirkt sich das auf die erwachsene Bevölkerung aus? Wie lernen diese, die dadurch entstehenden Potenziale plötzlich für sich zu nutzen? Und welche Rolle spielen dabei die Computer der Schulkinder?

Überraschenderweise wissen die Leute sehr wohl, was sie mit Strom anfangen würden. Hierzu haben wir auch schon spannende Videos produziert:

Mühle

Krankenstation

Töpferei

Die Computer sind wie oben beschrieben ein ganz eigenes Thema. Für die richtige „Nutzung“ unseres Service entwickeln wir Piktogramme, da wir auch bis zu 90% Analphabeten unter unseren Kunden haben.

Solarcontainer_Piktogramm

Dies waren meine ersten Fragen. Meine Frage nach der neuen sozialen Rolle von Kindern, die Zugang zu Computern mit ggf. (später) Netzanbindung haben, stützte sich auf eine Untersuchung im Rahmen eines Studierenden-Projektes, das ich vor Jahren mit Blick auf das OLPC-Projekt durchführte:

Der Computer- und insbesondere der Internet-Zugang verändert das Dorfleben fundamental, weil man auf das Weltwissen zugreifen kann. Wikipedia ist bei den Labdoo-Computern bereits offline verfügbar, aber vor allem das Internet mit dynamischen Echtzeit-Daten ist fundamental wichtig für Menschen auf dem Land (Wetter, Weltmarkt-Preise usw. usf.). Dieses Potenzial wissen die Gemeinschaften vor Ort sehr kreativ umgehend für sich zu nutzen. Ohne dass es unbedingt Schulungen dafür bräuchte oder unbedingt alle alphabetisiert sein müssten.

Wie kommt das Internet zu dem Projekt?

Gibt es konkrete Planungen, einen Internetzugang über eure Wlan-Antenne zu ermöglichen oder wartet ihr auf Googles Project Loon?

Ja es gibt aktuell Überlegungen, WIFI als Dienstleistung an den Solarcontainer anzuschließen.

Für die Schule wollen wir es, wenn möglich, über unseren Verein Africa GreenTec Help e.V. kostenfrei machen, für die Kunden im Dorf soll es ein kostenpflichtes WIFI-Netz geben. Das ist technisch bereits möglich, wir arbeiten aktuell an einem fairen und nachhaltigen Tarif-System.

Habt ihr noch weitere Fragen? Nur zu, bittschön!

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