Input

Wie kann man Wandel in Institutionen anstossen?

Ein Interview mit Jean-Claude Biver in der Brand Eins, Heft 1, Januar 2018.
Biver hat in den vergangenen Jahrzehnten Marken wie Blancpain, Hublot, Omega und TAG Heuer saniert. Die zentrale Frage des Interviews lautet: Wie schafft man es, die Uhr immer wieder neu zu stellen?

Was erfährt man bei Brötchen und Kaffee?

Zum Beispiel welche Kollegen für einen kulturellen Wandel zu gewinnen sind und welche nicht. Sind sie der alten Kultur verhaftet oder in der Lage, die anstehende Demokratisierung mitzutragen? Änderungen in einer Organisation kann man nur mit einem Top- und Mittelmanagement voranbringen, das dazu bereit und in der Lage ist,

„Wer Neuerungen einführen will, hat alle zu Feinden, die aus der alten Ordnung Nutzen ziehen.“ Das wusste schon Macchiavelli.

So ist es. Und wer sich gegen die Entwicklung stellt, muss gehen. Allerdings vermeide ich es bei einem Reset so weit wie möglich, neue Leute von außen hereinzuholen. Es geht darum, die unsichtbaren Kräfte, Kompetenzen und Talente zu wecken, die in jeder Firma darauf warten, entdeckt zu werden. Wenn man diesen Kräften eine Chance gibt, wird der Wandel plötzlich positiv. Veränderung ist dann nichts von außen Übergestülptes mehr, sondern etwas, das aus der Marke selbst heraus wächst.

(…)

Sie sind jetzt 68 Jahre alt und seit vier Jahrzehnten in der Branche. Wie bewahrt man sich Neugier in einem Geschäft, das man in- und auswendig kennt?

Hinterfragen Sie permanent die Dinge! Trainieren Sie Neugier! Nehmen Sie zum Beispiel diese Kaffeetasse hier: Weshalb hat sie genau dieses Maß? Wie kommt die Farbe aufs Porzellan? Wie könnte eine ganz andere Kaffeetasse aussehen? Stellen Sie sich fortwährend solche Fragen. Wenn Sie das einen Monat lang praktziert haben, wird aus der Übung ein Automatismus. Das ist mein Rezept für Neugier.

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